Update

Aufstand in Syrien : Assad ernennt neuen Regierungschef - Bombe in Damaskus

Syriens Präsident Assad hat einen Hardliner zum neuen Regierungschef gemacht. Unterdessen gehen die Kämpfe zwischen Aufständischen und Regierungstruppen weiter. In Damaskus explodierte eine Bombe.

von
Riad Farid Hedschab. Der neue Ministerpräsident gilt als Hardliner.
Riad Farid Hedschab. Der neue Ministerpräsident gilt als Hardliner.Foto: AFP

Syriens Präsident Baschar al-Assad lässt sich von seinem kompromisslosen Kurs nicht abbringen, obwohl inzwischen auch in den Reihen der Regimetruppen die Zahl der Opfer steigt. Am Mittwoch ernannte Assad den früheren Landwirtschaftsminister Riad Farid Hedschab zum neuen Regierungschef. Hedschab ist Mitglied der Baath-Partei, mit der die Assad-Familie einst an die Macht gekommen war. Der neue Ministerpräsident, 1966 in der Provinz Deir as-Saur geboren, gilt als „Falke“.

Vor seiner Zeit als Minister diente der ehemalige Studentenführer als Provinzgouverneur. Die syrische Verfassung sieht vor, dass der Präsident nach einer Parlamentswahl einen neuen Regierungschef bestimmt. Die Syrer hatten am 7. Mai ein neues Parlament gewählt. Es war die erste Wahl seit der Abschaffung der Monopolstellung der Baath-Partei durch die neue Verfassung. Die Regimegegner hatten die Wahl boykottiert.

Bilder des Bürgerkriegs in Syrien:

Blutiger Aufstand gegen Assad
18. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.Weitere Bilder anzeigen
1 von 99Foto: AFP
18.07.2012 16:0418. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.

Vor einer Einrichtung des Militärs in der syrischen Hauptstadt Damaskus ist am Mittwoch nach Angaben von Anwohnern ein Sprengsatz explodiert. Aktivisten meldeten, die Bombe sei im Viertel Rukn al-Din detoniert. Eine Anwohnerin sagte, durch die Explosion der Autobombe seien 13 Menschen ums Leben gekommen. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana stellte den Vorfall komplett anders da. Nach ihren Angaben war die Explosion die Folge eines Unfalls in einer Bombenwerkstatt von Terroristen in dem Viertel. Es habe nur einen Verletzten gegeben.

Durch einen ähnlichen Unfall sei in der Provinz Damaskus-Land ein Mädchen ums Leben gekommen. Im Umland von Damaskus hätten die Regimegegner zudem einen Brigadegeneral und zwei Angehörige der Ordnungspolizei getötet.

Aktivisten berichteten am Mittwoch erneut von heftigen Angriffen der Regimetruppen auf Al-Haffa in der Provinz Latakia. Dabei seien Hubschrauber, Panzer und Raketen eingesetzt worden. Laut Sana wurden dort zwei Angehörige der Sicherheitskräfte erschossen. Am Mittwoch zählten die Regimegegner bis zum Nachmittag 22 Todesopfer, darunter zwei Deserteure. Die meisten Opfer habe es in Latakia gegeben, meldeten die sogenannten Revolutionskomitees.

Die Regierung in Damaskus erklärte am Dienstag die diplomatischen Vertreter aus den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, dem Nachbarn Türkei und einem Dutzend anderer Länder zu unerwünschten Personen. Gleichzeitig begannen Regierungstruppen nach schweren Verlusten in mehreren Regionen des Landes mit neuen Offensiven gegen die bewaffnete Opposition. Trotz ihrer Erfolge auf dem Schlachtfeld taten sich bei den syrischen Regimegegnern neue Risse auf. US-Außenministerin Hillary Clinton, Bundesaußenminister Guido Westerwelle und andere Spitzenpolitiker wollen an diesem Mittwoch in Istanbul über die Lage in Syrien beraten.

Von der Erklärung der syrischen Regierung sind mindestens 18 Diplomaten betroffen, die sich allerdings nicht mehr in Damaskus aufhalten. Aus Protest gegen das Massaker von Hula hatten mehrere westliche Länder, darunter Deutschland, Ende Mai die syrischen Botschafter ausgewiesen. Angesichts der Gewalt und der unsicheren Lage in Syrien wurden in den vergangenen Monaten schon zahlreiche westliche Diplomaten aus Syrien abgezogen.

Seite 1 von 2 Artikel auf einer Seite lesen
» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

12 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben