Auftritt vor Industrievertretern : Königlicher Glanz bei deutschen Tag der Industrie

Wo üblicherweise Finanz- oder Wirtschaftsminister aufs Podium treten, kommt dieses Jahr ein schillernder Gast zu Wort: Königin Rania von Jordanien

Clara Lipkowski
Glamourös und willensstark: So gibt sich Königin Rania von Jordanien bei ihren Auftritten.
Glamourös und willensstark: So gibt sich Königin Rania von Jordanien bei ihren Auftritten.Foto: Reuters

Sie hat fünfeinhalb Millionen Follower auf Twitter, fast doppelt so viele auf Facebook, macht mit Designerroben von sich reden, engagiert sich für Kinderrechte sowie gegen Extremismus – und nun ist sie als Ehrengast zum Tag der deutschen Industrie nach Berlin geladen: Königin Rania von Jordanien. Sie wird an diesem Donnerstag nach Kanzlerin Angela Merkel im Berlin Congress Center zu den wichtigsten deutschen Industrievertretern sprechen.

Üblich sind Redner aus Europa

Üblicherweise lädt der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) europäische Ehrengäste ein, im vergangenen Jahr zum Beispiel den britischen Finanzminister. 2016 wolle der BDI angesichts der Herausforderungen, denen sich Jordanien in der Flüchtlingskrise gestellt habe, dieses Engagement würdigen, sagte ein Sprecher des Verbands. Das Königreich Jordanien hat Schätzungen zufolge 1,5 Millionen Flüchtlinge, vor allem aus Syrien und dem Irak, aufgenommen. Das Land selbst hat 6,5 Millionen Einwohner und mit den Folgen der Einwanderung vor allem in der Wirtschaft zu kämpfen. Dennoch habe sich Jordanien in dieser Situation als Stabilitätsanker der Region erwiesen und die Herausforderung der Flüchtlingsaufnahme gestemmt, sagte der Sprecher weiter.

"A mum with a really cool day job"

Die Ehrenrednerin Rania von Jordanien bestieg 1999 mit ihrem Mann, Abdullah II., den Thron. Seitdem ist die studierte Betriebswirtin als „First Lady“ vor allem durch ihr soziales Engagement bekannt geworden, dass sie auch mit viel Ausdauer in amerikanischen Talkshows beworben hat. Zahlreiche Preise wurden ihr verliehen, darunter 2015 von Kanzlerin Merkel der Walther-Rathenau-Preis für ihren Kampf gegen Extremismus und zuletzt im September der „Andrea Bocelli Humanitarian Award“ für ihren Einsatz für Flüchtlinge und Kinderrechte. Die vierfache Mutter pflegt das Image einer modernen Staatsfrau ganz nach dem Motto: „A mum and a wife with a really cool day job.“ Die 46-Jährige wurde in Kuweit geboren. Ihre Familie war zuvor aus dem palästinensischen Westjordanland geflohen. Die spätere Königin besuchte in Kuwait die Schule, in Kairo die Universität.

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Regierungsgegner kritisieren Ranias Offenheit

Im eigenen Land ist Rania al Abdullah umstritten. Parlamentsmitglieder werfen ihr Korruption und Machtmissbrauch vor, weil sie sich in exekutive Fragen einmische, für die sie keine Befugnisse habe. Besonders Islamisten missfällt ihre Offenheit und kritisieren, sie entferne sich zu sehr von religiösen Traditionen. Das Land ist, abseits des schillernden Lebens der Königin, von einem autoritären Regierungsstil geprägt. Im Nahen Ostens hat es eine Ausnahmestellung inne: Trotz der Kriege und Konflikte der angrenzen Länder ist das Königreich vergleichsweise stabil. Als der arabische Frühling viele Länder der Region ergriff, reagierte Abdullah II. mit kleinen Reformen und Zugeständnissen an oppositionelle Gruppen.

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