Augenzeugenberichte : "Wir haben Befehl, euch zu stoppen"

Was einheimische Augenzeugen über die aktuelle Lage in Tripolis berichten

Es gibt nur wenig gesicherte Erkenntnisse darüber, was sich auf den Straßen der libyschen Hauptstadt und im Westen des Landes abspielt. Das Staatsfernsehen zeigt die Unruhen nicht, ausländische Medienvertreter sind kaum vor Ort. Doch es gibt Augenzeugen, die telefonisch, per E-Mail oder Videobotschaft berichten, was sie erleben. Überprüfen lassen sich ihre Angaben nicht, da es jedoch wenig andere Informationen aus dem Unruhegebiet gibt, dokumentieren wir ausgewählte Aussagen.

Ein Libyer schildert der britischen BBC, was er beim Freitagsgebet in Tripolis unweit des Grünen Platzes erlebte:

„Als wir beteten, begannen sie zu schießen. Manche gingen hinaus, und sie schossen auf sie. Ich habe an diesem Tag viele Nachbarn verloren, mein Bruder wurde von einer Kugel am Bein getroffen. Die Lage hier ist grauenhaft. Es sind Helikopter unterwegs, aus der Luft regnet es Kugeln. Die Menschen sind total verängstigt. Unterstützer Gaddafis mit schweren Waffen versuchen zu verhindern, dass sich Menschen versammeln. (...) Sie haben ein Massaker angerichtet und sogar auf Leute geschossen, die sich um Verletzte gekümmert haben. Das waren unbewaffnete Zivilisten, die gerade aus der Moschee kamen.“

In Tunesien berichtet ein libyscher Flüchtling aus der westlibyschen Ölstadt Sawija der Nachrichtenagentur Reuters:

„Überall lagen Leichen. Es ist ein Krieg im wahrsten Sinne des Wortes."

Vor einer anderen Moschee in der Nähe des Grünen Platzes trug sich laut einem anderen BBC-Zeugen dies zu:

„Als wir nach dem Gebet auf die Straße gingen, riefen wir regimefeindliche Parolen wie ,Das ist Muammar al Gaddafis Ende’. Es war eine große Menschenansammlung, Sicherheitskräfte schossen in die Luft, nicht aber auf uns. Tränengas wurde direkt in die Menschenmenge gefeuert, ein Mann wurde durch ein solches Geschoss am Bein verletzt. Er war aber der einzige Verletzte, den ich gesehen habe. Ein alter Mann öffnete sein Hemd und rief: ’Schießt auf mich, wenn ihr könnt.’ Drei Sicherheitsleute gingen zu ihm, einer küsste seinen Kopf und sagte: ’Wir möchten keinem Libyer und auch keinem Ausländer etwas zu Leide tun, aber wir haben Befehl, euch zu stoppen.’“



Ein ägyptischer Gastarbeiter mit Verletzungen im Gesicht, der ebenfalls aus dem Westen Libyens nach Tunesien geflohen ist, sagte der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch:

„Nach der Rede von Saif (Gaddafis Sohn, er hatte am Donnerstag Ausländer für die Unruhen verantwortlich gemacht) kam um etwa zwei Uhr nachts eine Bande von zehn Libyern in unser Haus und griff uns an. Sie sagten uns, wir seien für die Unruhen verantwortlich. Sie schlugen mich und drei meiner Freunde so lange, bis schließlich unser libyscher Vermieter kam und ihnen sagte, sie sollten aufhören und verschwinden.“ Tsp

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