Politik : Augusto Pinochet: Anklage gegen chilenischen Ex-Diktator

Der chilenische Ex-Diktator Augusto Pinochet ist wegen Menschenrechtsverletzungen während seiner Militärherrschaft angeklagt worden. Ermittlungsrichter Juan Guzman Tapia wolle Pinochet wegen der Verbrechen der so genannten "Todeskarawane" den Prozess machen, sagte der Rechtsanwalt Hugo Gutierrez, der Angehörige und Opfer der Militärdiktatur vertritt, am Montag in Santiago de Chile. Guzman hatte Pinochet bereits am 1. Dezember wegen derselben Verbrechen angeklagt. Der Oberste Gerichtshof hatte die Anklage jedoch kassiert, weil der Ermittlungsrichter Pinochet nicht befragt hatte. Nach einem juristischen Tauziehen holte Guzman das Verhör in der vergangenen Woche nach. Anschließend bestritt Pinochet, für Menschenrechtsverbrechen während der Diktatur verantwortlich zu sein.

Guzman wies den Antrag der Verteidiger Pinochets ab, das Verfahren wegen der angegriffenen Gesundheit des 85-Jährigen niederzuschlagen. Nach viertägigen psychologischen und neurologischen Tests war Pinochet eine mittelschwere Demenz, das heißt ein bereits fortgeschrittener geistiger Verfall, attestiert worden. Guzman hatte den früheren Machthaber nach seinem Verhör dagegen als "außerordentlich normal" bezeichnet. Guzman wirft Pinochet vor, "geistiger Urheber" der Hinrichtungskommandos der "Todeskarawane" zu sein, die einen Monat nach Pinochets Militärputsch im September 1973 in ganz Chile Oppositionelle ermordeten. Gegen den Ex-Diktator liegen mehr als 200 Klagen im Zusammenhang mit seiner 17-jährigen Diktatur von 1973 bis 1990 vor.

Pinochet hielt sich am Montag auf seinem Landsitz rund 130 Kilomter südwestlich von Santiago auf. Er war am Samstag aus dem Militärkrankenhaus der Hauptstadt entlassen worden, in das er am Freitag wegen eines angeblich drohenden Schlaganfalles eingeliefert worden war. Nach Angaben eines Anwalts hat ein Richter am Montag die erneute Verhaftung Pinochets angeordnet.

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