Politik : Aus das Fest

NAME

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Es muss langsam wirklich ernst sein mit den Steuerausfällen und dem Sparen und all den unangenehmen Dingen, die damit einhergehen und die Politiker gemeinhin gar nicht mögen. Denn beliebt ist, wer ausgibt, wer Versprechungen machen kann, wer das erwartungsvolle Volk bei Laune hält. Roland Koch, der hessische Regierungschef, hat jetzt mal hart, brutalstmöglich sozusagen, gegen diesen Grundsatz verstoßen. Ein Regierungs-Sommerfest, lässt er mitteilen, wird es wegen der angespannten Haushaltslage in diesem Jahr in Wiesbaden nicht geben. So können die üblichen Teilnehmer solcher Anlässe in Wiesbaden und Umgebung für den 15. August schon mal was anderes planen.

Hier bei uns hinter den Linden haben wir offenbar noch mal Glück gehabt. Denn das große Hessenfest der Landesvertretung hat vorige Woche noch stattgefunden. Das Hessenfest hat von Bonn her einen guten Ruf als besuchenswerte Veranstaltung. Schließlich ist Hessen grundsätzlich ja nicht ganz so arm und kann, sagen wir mal im Vergleich zu Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern, ein bisschen was auffahren. Und so hatten 1500 Gäste das Glück, dass das mit dem Sparen in Hessen erst ab dieser Woche gilt. Dass die neue Landesvertretung innenarchitektonisch nüchtern ausgefallen ist und aller Bembelbombast fehlt, soll aber keine finanzpolitischen Gründe haben.

Wie es ja auch beim Hessenfest trotz einer eher konservativen Landesregierung keine Rückkehr zu landestypischen Gepflogenheiten („Blauer Bock“!) gegeben hat. Ganz im Gegenteil: Gäste mit Bonn-Erfahrung haben festgestellt, dass Koch gewisse rot-grüne Traditionsbestände aus den 90er Jahren übernahm, die von dem auch damals schon für Außenbeziehungen (Brüssel, Bund, Länder) zuständigen Joschka Fischer eingeführt worden waren. Also traten im Hauptprogramm Artisten und Sänger aus dem Frankfurter Tigerpalast auf und zum Abschluss die Beatles Revival Band. Und Fischers einstiger roter Lieblingstropfen wurde ausgeschenkt: Assmannshäuser Höllenberg. So kann man also auch sparen: Man übernimmt die alten Programm-Ideen. Waren ja auch nicht die schlechtesten. Albert Funk

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar