Aus dem Flugzeug geholt : Chinesischer Schriftsteller vor Deutschland-Besuch festgenommen

China hat den chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu am Montag daran gehindert, zur Teilnahme an einem Literaturfestival nach Deutschland zu reisen. Polizisten holten den Autor in der südwestchinesischen Stadt Chengdu kurz vor dem Start aus dem Flugzeug und nahmen ihn fest.

Das berichtete eine Freundin des Schriftstellers telefonisch der Deutschen Presse-Agentur in Peking. Liao Yiwu hatte ein deutsches Visum und wollte mit einer Zwischenstation in Peking nach Deutschland fliegen.

„Pass und Visum waren in Ordnung“, berichtete die Freundin. Liao Yiwu habe sie noch kurz angerufen, während er im Flughafen auf die Wache gebracht worden sei. Seitdem habe sie ihn nicht mehr kontaktieren können. „Ich habe bei der Polizei am Flughafen nachgefragt, aber nichts erfahren können.“ Kurz vor seinem geplanten Abflug habe sich Liao Yiwu mit einem ranghohen deutschen Diplomaten in Chengdu getroffen, berichtete die Freundin, ohne Details zu nennen.

In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Liao Yiwu Anfang Februar um Hilfe bei seiner Ausreise gebeten: „Sie sind deutsche Kanzlerin und Sie wissen aus eigener Erfahrung, was Diktatur bedeutet.“ Der 50-Jährige, der im vergangenen Herbst schon nicht zur Frankfurter Buchmesse mit dem damaligen Ehrengast China ausreisen durfte, wollte am Literaturfest am 19. März in Köln (lit.Cologne) teilnehmen. Er habe von Chengdu nach Peking und dann am Freitag nach Deutschland weiterfliegen wollen, berichtete seine Freundin.

Der Schriftsteller ist in Deutschland unter anderem bekannt für sein in China verbotenes Buch „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser: Chinas Gesellschaft von unten“, das auf Deutsch erschienen ist. Er hatte dafür Toilettenputzer, Prostituierte, alte Mönche, politische Häftlinge oder Straßenkünstler interviewt. Der Autor saß vier Jahre in Haft, nachdem er 1989 nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung ein Gedicht „Massaker“ publiziert hatte. Seitdem steht Liao Yiwu auf der schwarzen Liste.

Liao Yiwu wollte nur nach Köln reisen und nach eigenen Angaben keineswegs politisches Asyl in Deutschland beantragen, sondern anschließend wieder in seine Heimat zurückkehren. (dpa)

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