Politik : Aus der CSU wird Stimmung gegen Schäuble gemacht

"Wir reden bei der Kanzler-Nachfolge mit" / Neue Attacken im Streit der Union um Programm und Personen BONN/MÜNCHEN (AP/Tsp).Aus der CSU sind über Ostern so deutlich wie nie zuvor Vorbehalte gegen eine mögliche Kanzlernachfolge von Unionsfraktionschef Wolfgang Schäuble (CDU) gemacht worden.Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Ingo Friedrich sagte, wenn die Frage der Nachfolge anstehe, "wird die CSU ein entscheidendes Wort mitsprechen".Fragen nach der "Kronprinzenrolle" Schäubles seien nicht aktuell.Der CDU-Politiker Heiner Geißler erwiderte, Schäuble werde von "wenigen strukturreaktionären Leuten in der CSU" angegriffen. "Niemand in der CSU spricht von einem Kronprinzen", sagte Friedrich rund fünf Monate vor der Landtagswahl in Bayern und der Bundestagswahl im September.Gegenwärtig stelle sich noch nicht die Nachfolgefrage, denn Kohl habe erklärt, er stehe für die gesamte kommende Legislaturperiode zur Verfügung, sagte er im ZDF.Zudem gebe es auch in der CSU Politiker, "die das Zeug zum Kanzler haben", äußerte er in der "Bild am Sonntag".Das Blatt zitierte ferner einen ungenannten CSU-Minister: "Ich kann mich nicht daran erinnern, daß unsere Parteigremien einen Kohl-Nachfolger namens Schäuble beschlossen haben." Der CSU-Landtagsabgeordnete Breitschwert sagte, die wachsenden Vorbehalte in der CSU würden "auch von Spitzenvertretern" der Partei geteilt werden und hätten sich durch Schäubles Steuerpläne noch verstärkt.Am Montag sagte Friedrich, seine Äußerungen seien überbewertet worden. Der Personalstreit hatte sich in der vergangenen Woche am Vorgehen Schäubles beim Entwurf für das CDU-Wahlprogramm und einer darin enthaltenen Energiesteuer entzündet.Kohl hatte nach dem CDU-Parteitag in Leipzig im vergangenen Oktober Schäuble als Wunschnachfolger genannt. Der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende und Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Bergner, sagte, die Debatte um die Kohl-Nachfolge komme "zur Unzeit".Die Diskussion, ob sich Schäuble dafür eigne, sei "an den Haaren herbeigezogen", sagte er im Mitteldeutschen Rundfunk.CSU-Chef Waigel forderte, die "schädliche Personaldebatte" zu beenden.Dafür gebe es keinerlei Anlaß, sagte er der Augsburger Allgemeinen.In der Partei sei "endlich mehr Disziplin nötig".Auch der Chef der Münchner CSU-Landtagsfraktion, Glück, warnte vor einer Demontage denkbarer Kohl-Nachfolger.Der Rheinischen Post sagte er, wenn morgen die Entscheidung anstünde, würde höchstwahrscheinlich Schäuble mit den Stimmen auch der CSU gewählt werden. Bayerns Ministerpräsident Stoiber bekräftigte unterdessen trotz des Widerspruchs aus CDU und FDP seine Ansicht, die Europapolitik sollte künftig aus der Außenpolitik ausgelagert und einem Innenpolitiker in einem eigenen Ressort anvertraut werden.

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