Politik : Aus der Sonne in den Schatten

Eichel steht im Kabinett nur noch an zweiter Stelle – hinter Clement

NAME

Von Antje Sirleschtov

Buchhalter sind oft Bedenkenträger, die in Unternehmungen einen Kampf gegen die Kreativabteilung führen. Nicht so in der Unternehmung Schröder. Da kam dem Buchhalter Hans Eichel bislang eine herausgehobene Rolle zu: Der Finanzminister war so etwas wie ein Shootingstar. Noch in den SPD-Wahlkampfspots war er der einzige Minister, der neben dem Kanzler gezeigt wurde. Doch seit Montag hat sich das scheinbar geändert. Jetzt ist Eichel nicht mehr Haupt-, sondern Nebenminister, und Wolfgang Clement nimmt ihm den Status. Vom Superminister für Wirtschaft und Arbeit, so scheint es, geht nun Regierungshandeln aus – modern und allein dem Wirtschaftsaufschwung verpflichtet. Wer mag da noch an gestern denken, als der Buchhalter mahnend lange Reihen roter Zahlen verlas?

Schneller als andere rauscht Eichel in dieser Woche durchs Willy-Brandt-Haus zu den Koalitionsverhandlungen. Und düster ist sein Blick. Denn Superminister Clement knabbert an seinem Ministerium herum. Er „habe nur etwas dazuzugewinnen“, sagte der Düsseldorfer, und flugs hieß es bei der SPD, es sei „doch schon seit Wochen klar“, dass die Grundsatzabteilung des Finanzministers in Clements Zuständigkeit überwechselt. Noch ziert sich das Finanzministerium. Eichels Sprecher beharrte am Mittwoch darauf, es seien keinerlei Entscheidungen gefallen. Wobei dem Sprecher die schöne Formulierung einfiel, Eichel wolle seine Arbeit weiterführen „im Sinne der Interpretation des makroökonomischen Dialogs“.

Im Hause Eichel wehrt man nun jeden Eindruck ab, der Minister fühle sich aus der Sonne in den Schatten geschoben. Der Kanzler lasse keine Zweifel aufkommen, dass der Kurs der Haushaltskonsolidierung fortgesetzt wird. Und dessen Sachwalter sei schließlich Eichel. Und die Grundsatzabteilung? „Ach, was ist schon diese Abteilung“, heißt es abwehrend. Schließlich interessiere doch die Öffentlichkeit in Zukunft kaum noch, welche Konjunkturdaten diese Abteilung in ihren Berichten prognostiziert. Man habe sich ja festgelegt, dass mittelfristig ein Wachstum von 1,5 Prozent angenommen und zur Richtschnur des Regierungshandelns wird. Und die Kassenlage sei schließlich weiterhin angespannt. Keine Konjunktur also für die Kreativabteilungen in der Unternehmung Schröder? Dafür umso mehr für die Buchhaltung?

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben