Politik : Aus Fehlern lernen

Deutsche Altenhilfe richtet Internetplattform ein, um Pannen bei der Pflege zu dokumentieren

Rainer Woratschka

Berlin - Das Vorbild waren die Hausärzte. Seit drei Jahren berichten sie im Internet anonym über Fehler oder Beinahe- Fehler, damit andere daraus lernen können (www.jeder-fehler-zaehlt.de). Von diesem Freitag an gibt es nun auch für die Pflege ein entsprechendes Portal. Unter www.kritische-ereignisse.de bietet das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) Pflegekräften ein ähnliches, auf anonymen Erfahrungen fußendes Lernsystem.

„Man muss nicht jede problematische Situation selbst erlebt haben, um daraus lernen zu können“, sagt Projektleiter Heiko Fillibeck. Bei der heutigen Internetpremiere wartet das Portal bereits mit zwei Beispielen auf. Ein Pfleger berichtet von einer Panne bei einem zuckerkranken Heimbewohner. Weil die Nadeln der Spritze nicht ordnungsgemäß gewechselt worden waren, erhielt der Diabetiker zu wenig Insulin und musste wegen Überzuckerung ärztlich behandelt werden.

Der andere dokumentierte Fall ist „nur“ ein Beinahefehler. Eine Pflegerin brachte aus dem Krankenhaus Schmutzwäsche eines Bewohners mit, bei dem Verdacht auf multiresistente Erreger (MRSA) bestand. Sie stellte sie ohne Kennzeichnung in der Waschküche des Pflegeheims ab, wo sie mit der Wäsche anderer Bewohner gewaschen wurde. Verbesserungsvorschlag des Autors: „Das Thema MRSA sollte in jeder Pflegeeinrichtung thematisiert werden – auch wenn es noch keine Bewohner mit MRSA gibt.“ Ein Pflegeexperte des KDA empfiehlt darüber hinaus die Desinfizierung mittels Kochwäsche oder 60- Grad-Wäsche mit Verwendung eines desinfizierenden Waschmittels.

Expertenratschläge gehören ebenso zum Konzept wie die Möglichkeit der Nutzer zur Kommentierung. Allerdings gehe es immer um den Lerneffekt, sagt Fillibeck. „Wir wollen kein Portal zum Jammern oder Auskotzen, darin unterscheiden wir uns von bestehenden Altenpflege-Foren.“ Seiner Kenntnis nach handelt es sich um das weltweit erste derartige Berichts- und Lernsystem für die Pflege. Das Gesundheitsministerium fördert es über drei Jahre mit 570 000 Euro – und hofft auf ähnliche Resonanz wie bei dem ebenfalls geförderten Hausarztportal. Dort klicken sich pro Monat inzwischen 6000 Besucher ein. Rainer Woratschka

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