Politik : Aus Sorge um den Job melden sich immer weniger Bürger krank

Betriebskrankenkassen: Im Westen niedrigster Stand seit 20 Jahren / Tendenz setzt sich fort BONN(AFP).Aus Angst um den Arbeitsplatz melden sich pflichtversicherte Arbeitnehmer in Deutschland immer seltener krank.Mit 20 Tagen pro Jahr sanken die Fehlzeiten in den alten Bundesländern auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren, wie der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) am Montag in Bonn mitteilte.Dennoch sind die Westdeutschen statistisch gesehen aber noch häufiger krank als die Ostdeutschen: In den fünf neuen Ländern ging die Zahl der Krankheitstage im Vergleich zu 1995 um einen Tag auf 18 zurück.Allerdings waren hier die Krankmeldungen seit 1991 von zehn auf 19 Tage emporgeschnellt. -Als Grund für den Rückgang der jährlichen Krankheitstage nannte BKK-Sprecherin Gerda Uhlmann-Strack die "dramatische Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt".Der Trend, so die Sprecherin, werde vermutlich auch 1997 anhalten.Neben der Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes seien auch die vielfältigen innerbetrieblichen Vereinbarungen Ursache für diese Entwicklung.In vielen Firmen würde beispielsweise das Weihnachtsgeld gekürzt oder gestrichen, wenn der Arbeitnehmer eine gewisse Zahl von Fehltagen überschreite.Dagegen habe die Kürzung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall nur wenig zur Verringerung der Fehlzeiten beigetragen.In den meisten Tarifverträgen sei ohnehin eine 100prozentige Lohnfortzahlung festgeschrieben.Zudem habe der rückläufige Trend bereits im Frühjahr 1996 eingesetzt, also vor Inkrafttreten der neuen Regelung.Die Statistik der BKK erfaßt rund drei Millionen Menschen. Vor allem Rückenleiden machen nach Angaben von den Arbeitnehmern zu schaffen; sie führen die Statistik an.Fast 30 Prozent aller Krankheitstage waren nach der BKK-Auswertung auf Muskel- und Skeletterkrankungen zurückzuführen.Atemwegserkrankungen wie Husten, Schnupfen und Grippe nahmen mit 17 Prozent Platz zwei ein. Besonders häufig sind mit 42 Fehltagen pro Jahr die Mitarbeiter der städtischen Straßenreinigung und Müllabfuhr krank. Insgesamt liegen die kommunalen Verwaltungen mit 29 Fehltagen an der Spitze der Statistik.Das Bild vom faulen Beamten werde durch diese Zahl aber keinesfalls bestätigt, sagte Uhlmann-Strack.Staatsbedienstete seien nicht pflichtversichert und würden daher von der BKK-Statistik nicht erfaßt.Ebenfalls über dem Durchschnitt liegen die Bauindustrie mit 26 Krankheitstagen, die Gummi-Industrie, das Gesundheitswesen und die Bahn-Beschäftigten mit je 24 Tagen.Am unteren Ende der Statistik rangierten erneut die Dienstleister.Mitarbeiter von Banken und Versicherungen meldeten sich im Durchschnitt nur zehn Tage pro Jahr krank.

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