Politik : Aus Tempelhof nach ganz oben

Lars von Törne

Ditmar Staffelt gehört zum Urgestein der Berliner SPD. Von seinem 29. Lebensjahr an saß er für die Sozialdemokraten im Berliner Abgeordnetenhaus. Nach den Wahlen Ende 1989 folgte der Lockenkopf dem zum Regierenden Bürgermeister gewählten Walter Momper als SPD-Fraktionsvorsitzender. Von 1992 an führte Staffelt auch die Landespartei. Parallel zu seiner steilen politischen Karriere sammelte er Erfahrungen in der freien Wirtschaft. Bis 1998 war er in leitenden Funktionen bei mehreren Unternehmen der Umwelttechnik tätig.

Staffelts Parteilaufbahn begann 1969 in Tempelhof - dem Bezirk, aus dem auch der Regierende Bürgermeister Kaus Wowereit stammt. 1976 wurde Staffelt dort Juso-Chef, von 1980 bis 1990 leitete er den SPD-Kreisverband. Inzwischen hat der Bundestagsabgeordnete seinen Wahlkreis allerdings in Neukölln. Der rhetorisch begabte Politologe wird dem linken Parteiflügel zugerechnet. Dennoch war er immer geschmeidig genug für politische Arrangements. Nachdem er 1989 Walter Momper als Fraktionschef gefolgt war, spielte er in der konfliktgeladeen rot-grünen Koalition den ausgleichenden Part. Durch Offenheit und die Fähigkeit zum Ausgleich erwarb er sich große Anerkennung. Dabei kam er dem Koalitionspartner auch privat näher: Vorübergehend hatte er eine Liaison mit der Grünen Renate Künast, die heute Verbraucherministerin ist.

Mitte der 90er Jahre sank Staffelts Berliner Stern. Auch bei Streitigkeiten mit dem Koalitionspartner CDU hatte er nicht immer die Rückendeckung seiner Parteigenossen. 1994 legte er seine Berliner Parteiämter nieder. 1998 wurde Ditmar Staffelt in den Bundestag gewählt. Durch seine eigene unternehmerische Arbeit verfügt er über gute Kontakte zu anderen Unternehmern. Er stieg aus der Privatwirtschaft aus, als er Ende 1999 zum wirtschaftspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion gewählt wurde. Hier hat sich der 52-Jährige einen Namen gemacht als Wirtschaftsexperte und eloquenter Redner. Staffelt gilt als fröhlich, witzig - und manchmal polterig.

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