Politik : Aus zwei mach eins

40 Jahre Deutschland in den Vereinten Nationen.

Berlin - 17 Jahre lang sind die Bundesrepublik und die DDR Mitglied der Vereinten Nationen gewesen. Dass die friedliche Koexistenz der beiden deutschen Staaten bei allem betonten Pragmatismus gelegentlich ganz schön ungemütlich werden konnte, war am Mittwochnachmittag auf der Tagung der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) zum 40. Geburtstag der UN-Mitgliedschaft Deutschlands zu hören. Ehemalige UN-Diplomaten der beiden deutschen Staaten erinnerten sich in einer lebendigen Geschichtsstunde an einige solcher Momente. Die DDR habe bei jeder Gelegenheit versucht, die deutsche Unterstützung für das Apartheid-Regime verurteilen zu lassen. Dafür kaperten die Westdeutschen dann die von Moskau finanzierte Swapo in Namibia.

Professor Hans-Joachim Vergau, ehemaliger stellvertretender UN-Botschafter in New York für Bonn, freut sich heute noch, wenn er sich an den Coup seines damaligen Chefs Dietrich Genscher (FDP) erinnert, die namibische Befreiungsbewegung Swapo auf dem Weg in die Unabhängigkeit zu unterstützen. „Im Ostblock dachten sie, die seien Sozialisten“, sagte Vergau grinsend. Mit dieser Entscheidung verwirrte Genscher aber in den späten 1970-er Jahren nicht nur die DDR-Diplomaten. Der damalige bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU), „ein großer Vorgänger von Horst Seehofer“ (Vergau), habe die Verhaftung des Swapo-Chefs und späteren Präsidenten Namibias, Sam Nujoma, gewollt. Genscher musste die Swapo und eine Gruppe von Namibia-Deutschen zu den geplanten Verhandlungen dann nach Paris einladen.

Auch über die Erwartungen ans vereinte Deutschland wurde auf der Geburtstagsparty diskutiert. Dass sie in 20 Jahren gewachsen sind, darüber waren sich Johannes Varwick, Politik-Professor in Halle, und Miguel Berger, bis vor kurzem deutscher Vize-Botschafter bei den UN, einig.  Während jedoch Varwick Deutschland vorwirft, sich überall raushalten zu wollen, wo es weh tut, stellte Berger den deutschen Einsatz für die Vermeidung von Konflikten heraus. deh

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