Politik : Ausbaufähig - Wie der russische Außenhandel mit EU-Staaten zu bewerten ist

cvm

Inzwischen wickelt Russland 40 Prozent seines Außenhandels mit EU-Staaten ab, heißt es stolz am Rande des Russland-EU-Gipfels in Moskau. Ist das nun viel oder ist es wenig? Gemessen an den Zeiten des RGW, einer Art Handelsgemeinschaft der Ostblockstaaten, ist das eine deutliche Neuorientierung nach Westen. Aber die Umstellung von Ost- auf Westhandel haben auch die anderen osteuropäischen Staaten vollzogen. Polen zum Beispiel lieferte 1999 71 Prozent seiner Exporte in EU-Staaten und bezog 65 Prozent seiner Importe von dort. Ähnlich sieht es in Tschechien und Ungarn aus. Und selbst geographisch weiter östlich liegende Länder wie Bulgarien oder die baltischen Staaten, wickeln mittlerweile über 50 Prozent ihrer Ein- und Ausfuhren mit der EU ab.

Noch deutlicher wird der Unterschied, so bald man auf den Warenwert blickt. Da fällt Russland immer weiter zurück, die EU-Beitrittskandidaten bauen ihren Westhandel dynamisch aus. Russland (148 Millionen Einwohner) liegt nur noch auf Platz 17 des deutschen Außenhandels (26,2 Milliarden DM). Dank der russischen Ausfuhr von Erdöl, Erdgas und anderen Rohstoffen entfällt der Löwenanteil auf die deutschen Importe (16,3 Milliarden DM), die deutschen Exporte sind auf 9,9 Milliarden gesunken.

Gerade umgekehrt ist die Entwicklung des deutschen Warenaustauschs mit Polen (39 Millionen Einwohner, Platz 11: 42,2 Milliarden DM), Tschechien (10,3 Millionen Einwohner, Platz 13: 39,5 Milliarden DM) und Ungarn (10,3 Millionen Einwohner, Platz 15: 34,1 Milliarden). Deutschland verzeichnet einen deutlichen Handelsüberschuss, der hierzuland Arbeitsplätze in der Exportindustrie sichert. Die deutschen Ausfuhren sind Jahr für Jahr gewachsen, ihr Wert betrug 1999 für Polen 24,2 Milliarden DM (Platz 10), für Tschechien und Ungarn je rund 19,6 Milliarden (Platz 12 und 13).

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