Ausbildung : Bonus für aktive Ausbilder?

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt müsse für Unternehmen, die überdurchschnittlich viel ausbilden, attraktiver werden, meint Bundesarbeitsminister Franz Müntefering.

Berlin Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt stößt im Bundestag auf unterschiedliche Einschätzungen. Vertreter von Regierung und Opposition bekräftigten den Anspruch jedes Schulabgängers auf Bildung und Ausbildung, machten sich aber für unterschiedliche Wege zur Umsetzung dieses Rechts stark. Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) regte Vergünstigungen für Unternehmen an, die überdurchschnittlich viel ausbilden.

"Diejenigen, die ausbilden, sollten daraus einen Vorteil haben", sagte der Ressortchef. Darüber solle bei der künftigen Gestaltung der Arbeitslosenversicherung gesprochen werden, regte Müntefering an. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) rechnete für 2007 mit einem erneuten Anstieg der Zahl der Ausbildungsverträge. Nachdem der Berufsbildungsbericht 2006 einen Anstieg der Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 4,7 Prozent ausweise, seien "für 2007 weitere Steigerungen zu erwarten". Der Bericht zeige aber auch, dass derzeit 1,3 Millionen Schulabgänger im Alter bis zu 29 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung seien.

Fachkräftemangel früh vorbeugen

 Angesichts des prognostizierten Fachkräftemangels sei es "umso wichtiger", diesen 1,3 Millionen "auf unterschiedlichen Wegen" eine Chance zu geben, fügte Schavan hinzu. Im Ausbildungspakt sei vereinbart worden, "alles zu tun, damit jeder Jugendliche in Deutschland seine Chance bekommt". Es müsse dafür gesorgt werden, dass jeder Jugendliche qualifiziert ausgebildet werden könne. Die Ministerin mahnte zugleich, die Zahl der Schulabbrecher zu reduzieren. Über entsprechende Strategien sei man mit den Ländern im Gespräch. Müntefering betonte, die Länder müssten dafür sorgen, "dass nicht mehr so viele junge Menschen ohne Abschluss aus den Schulen kommen". Dies fange schon mit der vorschulischen Bildung an. Mit Blick auf den Fachkräftemangel ermahnte er die Wirtschaft, sich rechtzeitig um Ausbildung und Qualifizierung der Menschen zu kümmern.

Müntefering bekräftigte zudem das Ziel der Koalition, die Langzeitarbeitslosigkeit junger Menschen abzubauen. "Keiner soll von der Schule kommend in die Arbeitslosigkeit fallen", sagte der Vizekanzler. Links-Fraktionschef Gregor Gysi forderte die Einführung einer Ausbildungsplatzumlage und warb dafür, den Anspruch auf Ausbildung im Grundgesetz zu verankern. Während die Zahl der Lehrstellenbewerber von 2002 bis heute von 480.000 auf 590.000 gestiegen sei, seien die angebotenen betrieblichen Ausbildungsplätze in dieser Zeit um 100.000 zurückgegangen, beklagte er. Darunter litten jährlich tausende Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz fänden.

Lebenslanges Lernen absolut notwendig

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel warnte demgegenüber eindringlich vor einer Ausbildungsplatzumlage. Viele Betriebe hätten eine fundamentale Eigenkapitalschwäche. Eine Umlage würde Arbeitsplätze vernichten. Der FDP-Arbeitsmarktexperte verwies zugleich darauf, dass die Berufsbilder immer komplizierter geworden seien. Daher seien eine modulare Ausbildung und lebenslanges Lernen zwingend notwendig. Die Grünen-Abgeordnete Priska Hinz verwies darauf, dass das duale System mittlerweile weniger als 50 Prozent eines Ausbildungsjahrgangs aufnehme. "Es gibt keine Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt", sagte sie. Auch hätten Migranten besondere Probleme auf dem Lehrstellenmarkt.

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