Politik : Ausbildung: Im Osten suchen 120 000 Jugendliche eine Lehrstelle

Bärbel Schubert

In Ostdeutschland sind 120 000 Jugendliche auf der Suche nach einer Lehrstelle im Betrieb. Für sie stehen bisher nur gut 30 000 freie Stellen bereit. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) warnte deshalb vor einem drohenden Fachkräftemangel und appellierte an die Wirtschaft, besonders in den neuen Bundesländern mehr Ausbildungsplätze anzubieten. "Die Betriebe müssen Vorsorge treffen. Man kann nicht hoffen, dass die Fachkräfte einfach vom Himmel fallen", sagte die Ministerin am Mittwoch in Berlin.

Zuvor hatte das Kabinett den Berufsbildungsbericht 2001 verabschiedet. Der Bericht zeigt, dass dem Arbeitsmarkt durch den Geburtenrückgang bundesweit in den nächsten Jahrzehnten gut ein Fünftel weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen wird als heute. Schon jetzt finden die Unternehmen in einigen Branchen nicht die gewünschten Bewerber. Der Rückgang wird auf dem Lehrstellenmarkt ab dem Jahr 2006 spürbar, wenn sich deutlich weniger Schulabgänger bewerben. Zugleich steigen in vielen Bereichen die Qualifikationsanforderungen der Wirtschaft an die Bewerber. Die Aussichten für Ungelernte tendieren gegen Null. Schon heute ist das Risiko, arbeitslos zu werden, für Ungelernte um ein Vielfaches höher als für Facharbeiter oder Akademiker.

"Eine qualifizierte Berufsausbildung ist die wichtigste Voraussetzung für einen guten Job", sagte die Ministerin. Deshalb müsse mehr für Jugendliche ohne Ausbildungsabschluss getan werden. Gegen das Armutsrisiko könne die Bildungspolitik auch einen Beitrag leisten, wenn sie mehr Ganztagsschulen schaffe, "denn Alleinerziehende tragen ein besonders großes Armutsrisiko", sagte Bulmahn.

Bundesweit sieht der Berufsbildungsbericht den Lehrstellenmarkt des vergangenen Jahres "deutlich im Aufschwung". Bis zum gesetzlichen Stichtag, dem 30. September, wurden gut 620 000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Wirtschaft und Verwaltungen boten dafür 14 000 Lehrstellen mehr an als im Jahr davor. Besonders zufrieden zeigte sich Bulmahn mit dem Zuwachs bei den IT-Berufen, in denen bald 50 000 Jugendliche eine Ausbildung absolvieren.

In Ostdeutschland wurde dagegen mit gut 10 000 Verträgen ein Minus von sieben Prozent verzeichnet. Nach Bulmahns Worten verließ jeder zehnte Jugendliche bei der Lehrstellensuche den Osten Richtung Westen. Ein Silberstreif am Horizont sei aber, dass in den richtigen, zukunftsfähigen Berufen ausgebildet werde. Ein Netzwerk für Ausbildungen in den Informations- und Kommunikationsberufen werde gerade aufgebaut. 16 000 zusätzliche, staatlich finanzierte Lehrstellen hätten Bund und Länder bereits beschlossen. Bundesweit werden in diesem Herbst rund 640 000 Lehrstellenbewerber erwartet.

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