Ausbruch aus Gaza : Erste Palästinenser kehren zurück

Seit gestern Abend fliehen Tausende Menschen aus dem Gazastreifen nach Ägypten. Wegen der Blockade durch Israel herrschen chaotische Zustände in den Gebieten. Die ersten kehren schon mit Einkäufen zurück.

Gazaausbruch
Palästinenser fliehen nach Ägypten. -Foto: AFP

Al-Arisch/Gaza/Tel AvivMilitante Palästinenser hatten in der Nacht in Rafah fünf Löcher in die Grenzbefestigung zwischen dem Gazastreifen und Ägypten gesprengt. Nach Angaben der ägyptischen Sicherheitskräfte nutzen Tausende von Palästinensern die Gelegenheit, um nach Ägypten zu gelangen. Augenzeugen berichteten, sie hätten in den Märkten und Geschäften der ägyptischen Städte Rafah und Al-Arisch große Mengen an Lebensmitteln eingekauft. Einige Palästinenser kehrten bereits mit Matratzen und Körben nach Gaza zurück.

Die ägyptischen Grenzwächter waren nicht in der Lage, dem Ansturm der Menschen standzuhalten. Beobachter berichteten von Straßensperren auf den Landstraßen der Sinai-Halbinsel. Es soll verhindert werden, dass die Palästinenser nach Kairo oder in andere Regionen Ägyptens weiterreisen. Präsident Husni Mubarak hatte am vergangenen Montag zusätzliche Grenzwächter nach Rafah geschickt und die israelische Regierung aufgefordert, ihre Blockade des Gazastreifens zu lockern.

Augenzeugen berichteten, dass Kämpfer der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas Bulldozer und Sprengsätze einsetzten, um Stacheldrahtzaun und Metallsegmente der Grenze zu zerstören. Es soll mindestens 15 Explosionen gegeben haben. Bei Zusammenstößen und Schießereien mit ägyptischen Grenzposten wurden rund 70 Menschen verletzt.

Blockade: Antwort auf Beschuss Israels

Ägypten hatte den Grenzübergang Rafah nach der Machtübernahme der islamistischen Hamas zum Gazastreifen im vergangenen Sommer geschlossen. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak hatte am vergangenen Donnerstag die Schließung aller Grenzübergänge zwischen Israel und dem Gazastreifen angeordnet und erklärt, dies sei eine Antwort auf den Beschuss Israels mit palästinensischen Raketen.

Gaza Grenzdurchbruch
Im Gazastreifen regiert die Not - Menschen fliehen über Grenzposten. -Foto: dpa



Hilfsorganisationen warnten vor schwerwiegenden Folgen der Blockade für die Menschen im Gazastreifen. Eine Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sagte gestern Abend in Genf, in dem Palästinensergebiet drohe der Zusammenbruch der gesamten Infrastruktur. Das IKRK forderte Israel auf, die Blockade sofort zu beenden. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef schloss sich der Warnung an. Es bezeichnete die Lage der Kinder im Gazastreifen als "Besorgnis erregend". Impfstoffe könnten in den Kliniken nicht sachgerecht aufbewahrt werden, außerdem werde es Kranken aus dem Gazastreifen schwergemacht, israelische Grenzposten zu passieren.
 
Angesichts weltweiter Proteste lockerte Israel die Blockade und ließ gestern wieder erste Gas-, Diesel- und Heizöllieferungen zu. Das einzige Kraftwerk im Gazastreifen konnte wieder angeschaltet werden.(mpr/AFP/dpa)

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