Politik : Ausgefallen

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Heiße Wahlkampfzeiten lassen Spitzenpolitiker auch mal ihre gewohnte Umgebung verlassen. So wirbt der bayerische Ministerpräsident nicht nur in seinem Stammland um die Stimmen der Wähler. Schließlich will er nicht Ministerpräsident in Bayern bleiben, sondern Kanzler für ganz Deutschland werden. Deshalb freundet sich Schröders Herausforderer schon mal prophylaktisch mit der Hauptstadt und ihren Bewohnern an. Vor kurzem daher Edmund Stoibers Auftritt im Berliner Club 90 Grad – nach dem Motto: Ein Bayer trifft die Großstadtszene.

Doch Berlin besteht nicht nur aus schicken Clubs. Berlin ist auch Kreuzberg, dachte sich die Türkische Gemeinde in Berlin. Der Dachverband türkischer Organisationen lud den Kanzlerkandidaten kurzerhand ein, nach dem Motto: Türken erwarten Stoiber. So stand es auf der Einladung.

Doch am Mittwochabend in der Kreuzberger Werkstatt der Kulturen: gähnende Leere! Kein Kanzlerkandidat. Drei Menschen lehnen im Restaurant hinter der verwaisten Theke und sind erstaunt: Eine Veranstaltung mit Stoiber? Und den Türken? Hier? Heute? Nein. Das kann nicht sein.

Der Verdacht liegt nahe: Der Stoiber will sich doch wieder nur drücken. Ihm sind die Argumente ausgegangen, warum er das Zuwanderungsgesetz nicht will. Ein empörter Anruf in der Unions-Parteizentrale beim Stoiber-Team bringt die banale und so gar nicht skandalträchtige Wahrheit ans Licht. Die türkische Gemeinde lud den bayerischen Ministerpräsidenten erst fünf Tage vor dem Termin ein. Und verschickte die Einladung offenbar schon vorher, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie ausgebucht der Kanzlerkandidat ist. Cordula Eubel

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