Politik : Ausland für Alle

Ministerin stellt neuen Freiwilligendienst vor

Ruth Ciesinger

Berlin - Dem jungen Mann ist etwas unklar: Wenn die Bundesregierung jetzt dafür zahlen wird, dass Jugendliche wie er in Afrika, Asien oder Südamerika bei Entwicklungshilfeprojekten mitarbeiten – wäre es da nicht sinnvoller, für dieses Geld gleich Leute von vor Ort anzustellen? Die Redner, die gerade unter der Regie von Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul im Berliner Oberstufenzentrum den neuen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „Weltwärts“ vorgestellt haben, nicken, als hätten sie auf diesen Einwand gewartet. Das sei nur zum Teil richtig, sagt Cordula Müller von der Weltweiten Initiative für soziales Engagement (Wise). Denn dann ginge der wichtigste Aspekt von Weltwärts verloren – „die Rückkoppelung in die deutsche Gesellschaft“.

Bei Weltwärts geht es darum, jungen Menschen aus Deutschland die Möglichkeit zu geben, im Ausland zu lernen: was Armut heißt, was Entwicklungshilfe bedeutet. Und im Sinne des Ministeriums wäre es, würden sie nach ihrer Rückkehr weiter im Bereich der Entwicklungshilfe arbeiten. Rund 200 Organisationen, private Träger und Kommunen beteiligen sich an dem Projekt, das die Regierung langfristig mit bis zu 70 Millionen Euro im Jahr unterstützen will. Bisher konnten zwar Jugendliche bei bestimmten Organisationen einen Freiwilligendienst im Ausland leisten, aber nur mit finanziellem Eigenbeitrag. Im Rahmen von Weltwärts zahlt dafür das Entwicklungsministerium pro Monat einen Zuschuss von 580 Euro für jeden Freiwilligen an die entsprechende Organisation. Man wolle, „dass internationales Engagement nicht vom Geldbeutel der Familien abhängt, sondern einem möglichst breiten Kreis junger Menschen offensteht“, so die Ministerin.

Seit Montag können sich junge Erwachsene zwischen 18 und 28 Jahren für entsprechende Projekte bewerben. 10 000 sollen langfristig pro Jahr ins Ausland gehen, schon im Vorfeld hätten sich etwa 2000 Interessierte beim Ministerium gemeldet, sagt Wieczorek-Zeul. Auch Entwicklungsorganisationen stimmen der Initiative zu: „Wir begrüßen das ausdrücklich“, sagt Monika Dülge von Venro, dem Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen. Venro hat für Weltwärts die Zusammenarbeit zwischen Ministerium und Nichtregierungsorganisationen koordiniert. Jetzt ist man jedoch irritiert, dass das Ministerium das Abschlusskonzept nicht noch einmal wie zugesagt Venro vorgelegt habe, sondern „diesen Alleingang gegangen ist“, so Dülge. Gute Absprache und Koordination seien aber absolut notwendig, gerade das Personal vor Ort brauchte im Blick auf die Arbeit mit den Jugendlichen entsprechende Unterstützung. Denn diese sind in den ersten Monaten eher eine zusätzliche Belastung, um die man sich kümmern und die man einarbeiten muss. Deshalb raten ehemalige Freiwillige, mindestens ein Jahr ins Ausland zu gehen, um wirklich etwas davon zu haben. Ruth Ciesinger

www.weltwaerts.de

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