Auslandseinsätze : Traumatisiert: Immer mehr Soldaten leiden

Schreckliche Erlebnisse auf Einsätzen im Ausland hinterlassen Spuren - nicht nur körperliche, sondern auch seelische. Die Zahl der Soldaten, die unter Traumafolgen leiden, ist in den letzten Jahren stark gestiegen.

Jessica Binsch
soldaten mit PTBS
Die Grafik zeigt die steigenden Fallzahlen. -Grafik: Christian Huwe

Die Zahl der nach einen Einsatz im Ausland traumatisierten Soldaten ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das teilte das Bundesministerium für Verteidigung vergangene Woche mit. Die Bundestagsabgeordneten Elke Hoff (FDP) hatte eine dementsprechende Anfrage gestellt.

Besonders nach Einsätzen in Afghanistan kehren viele Soldaten mit seelischen Belastungen nach Hause zurück. Die Zahl derer, die sich aufgrund Posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS) behandeln ließen, stieg von 55 im Jahr 2006 über 130 (2007) auf 226 im vergangenen Jahr (siehe Grafik - für größere Ansicht auf die Lupe klicken). Aufgrund der verschärften Sicherheitslage in Afghanistan werde die Zahl der traumatisierten Soldaten bei der Bundeswehr weiter steigen, warnte die Abgeordnete Elke Hoff.

Laut der Webseite Angriff auf die Seele, die betroffenen Soldaten Informationen und Beratungsangebote bietet, gab es von 2003 bis 2005 allein in der Afghanistan-Truppe ISAF zwischen 30 und 86 Betroffene jährlich. Damit sind insgesamt über 600 Soldaten, die am Hindukusch im Einsatz waren, von PTBS betroffen. Dazu kommen die Truppen, die im Rahmen von KFor und SFor im ehemaligen Jugoslawien stationiert sind.

Hier sind die Fallzahlen geringer: 2006 gab es 28 Fälle, in den beiden folgenden Jahren jeweils 19 aus beiden Einsätzen zusammen. Das mag auch daran liegen, dass die Gebiete mit zunehmender Dauer des Einsatzes sicherer werden: 2001 und 2002 hatte es noch 69 beziehungsweise 48 Fälle gegeben, in denen sich Soldaten nach dem Einsatz für Posttraumatische Belastungsstörungen behandeln ließen.

Dunkelziffer kaum schätzbar

Seit 2001 sind somit fast 900 Fälle von PTBS als Einsatzfolge registriert. Diese Zahlen spiegeln jedoch nur die Betroffenen wieder, die sich in Behandlung begeben. Wie hoch die Dunkelziffer ist, ist schwer zu schätzen. Unter Soldaten gelten psychische Erkrankungen oft als Stigma. Viele wollen nicht als "Weichei" darstellen und zögern daher, sich Hilfe zu suchen. Auch Angst vor dem Ende der eigenen Bundeswehrlaufbahn kann eine Rolle spielen.

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