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Auslandseinsätze : Wehrbeauftragter beklagt Überlastung der Bundeswehr

Miese Stimmung in der Truppe: Die Bundeswehrreform hat die Soldaten verunsichert, die zahlreichen Auslandseinsätze sind kaum noch verkraftbar. Zu diesem Urteil kommt der Wehrbeauftragte des Bundestags in seinem Jahresbericht. Es gibt aber positive Entwicklungen.

Bundeswehr-Soldaten vor dem Abflug zum Patriot-Einsatz in die Türkei.
Bundeswehr-Soldaten vor dem Abflug zum Patriot-Einsatz in die Türkei.Foto: dpa

Zu viele Auslandseinsätze und schmerzhafte Reformen: Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus hält die Bundeswehr für überlastet und tief verunsichert. „Eine Verbesserung der Stimmung in der Truppe zeichnet sich nicht ab“, erklärte er am Dienstag bei der Vorstellung seines Jahresberichts.

Der „Anwalt der Soldaten“ beklagte auch „gravierende Mängel“ bei der Führung der Truppe, unzureichende Unterstützung für Soldatenfamilien und fehlendes Personal für die Betreuung traumatisierter Soldaten. Er warnte angesichts der düsteren Bestandsaufnahme vor übermäßigen Kürzungen im Verteidigungshaushalt.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags wertete in seinem Jahresbericht rund 4500 Beschwerden von Soldaten und Erfahrungen von zahlreichen Truppenbesuchen aus. Bereits im vergangenen Jahr hatte er die Unzufriedenheit in der Truppe nach der im Frühjahr 2010 in die Wege geleiteten Bundeswehrreform festgestellt. Bei diesem Urteil blieb er auch in seinem aktuellen Bericht.

„Insbesondere die Dienst- und Einsatzbelastung hat vielfach die Grenze der Belastbarkeit erreicht, teilweise bereits überschritten“, erklärte Königshaus. Als Gründe für den Frust in der Truppe nannte er unter anderem Standortschließungen und die Ungewissheit der Soldaten über die eigene berufliche Zukunft. 70 Prozent seien Wochenendpendler. Zusätzlich würden sie oft wochenlang abkommandiert oder müssten monatelang in Auslandseinsätze. Dies führe zu überdurchschnittlich hohen Trennungs- und Scheidungsraten.

Das Ziel, den Soldaten nach vier Monaten im Ausland 20 Monate Einsatzpause zu gewähren, sei auch nach der Bundeswehrreform nicht durchgängig zu erreichen. Führungsversagen sieht der Wehrbeauftragte nicht nur im Umgangston, sondern auch bei der Ahndung von Dienstvergehen, bei der teilweise zweierlei Maß angewandt werde.

Die Zahl rechtsextremistischer Vorkommnisse bei der Bundeswehr ist nach Jahren des Rückgangs 2012 wieder leicht gestiegen. 67 Vorfälle mit Verdacht auf einen rechtsextremen Hintergrund wurden gemeldet, im Jahr zuvor waren es 63 gewesen. Das war der niedrigste Stand seit Anfang der 90er Jahre. Bis 2009 wurden Jahr für Jahr noch mehr als 100 rechtsextremistische Vorkommnisse bei der Bundeswehr registriert.

Auch 50 sexuelle Übergriffe wurden im vergangenen Jahr gemeldet. Vergewaltigungen stellten aber „die absolute Ausnahme“ dar, betonte Königshaus. Bei der überwiegenden Anzahl der Taten handele es sich um unangemessene Berührungen und verbale sexuelle Belästigungen.

Positiv bewertete der Wehrbeauftragte Verbesserungen bei der Ausrüstung der Truppe im Einsatz. Dies habe dazu beigetragen, dass in Afghanistan seit Mitte 2011 kein deutscher Soldat mehr getötet wurde.
Auch die Versorgung Verwundeter lobte Königshaus. Allerdings bemängelte er, dass die Behandlung traumatisierter Soldaten weiterhin zu wünschen übrig lasse. Noch immer fehle es an Psychologen und Psychotherapeuten, während die Zahl traumatisierter Soldaten im vergangenen Jahr auf einen Höchststand gestiegen sei.

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