Auslandspresse : Die englischsprachige Presse zum Minarettverbot in der Schweiz

Im angelsächsichen Raum sind die meisten Kommentatoren enttäuscht über das Ergebnis des Schweizer Volksentscheids, den Bau von Minaretten zu verbieten. Wir haben für Sie die verschiedenen Reaktionen zusammengefasst.

Die New York Times hält das Ergebnis beispielsweise für "schmachvoll". Denn: "Die schlechteste Antwort auf Extremismus und Intoleranz ist Extremismus und Intoleranz"

Weiter spekulieren die Blätter darüber, wie es zu diesem Resultat gekommen sei. Im britischen Guardian schreibt der Schweizer Gastkommentator Tariq Ramadan, dass die Europäer selbst eine Identitätskrise durchlebten und dass sie deswegen Muslime als fremd empfänden. Europäische Muslime müssten dieser Sicht entgegenwirken, indem sie sich mehr in der Gesellschaft engagierten. Sie müssten zeigen, dass sie nicht alle Fundamentalisten seien.

Diesen Punkt spricht auch Taj Hargey, Vorsitzender des Muslim Educational Centre in Oxford, in der britischen Times an. Er begrüßt das Verbot nicht, sieht aber für die europäischen Muslime eine Gelegenheit, sich vom fundamentalistischen Islam, wie er in Saudi Arabien propagiert wird, abzugrenzen. Bisher "imitieren sie [, die europäischen Muslime,] sinnlos die orientalische Architektur" von Moscheen. Damit würden sie Kultur mit Glauben verwechseln. Sie sollten ihre Religion nicht ausüben wie im Orient, sondern ein europäisches Modell anstreben.

Guardian-Kolumnist Michael White, sieht einen größeren historischen Zusammenhang. Er befürchtet, die Europäer hätten Angst, ihre Spitzenposition in der Welt zu verlieren. Sie seien daher auf dem Weg zu "Selbstmitleid und Rückständigkeit, Angst und Fremdenfeindlichkeit", den die Araber vor ihnen gegangen seien.

Allgemein sind die Kommentatoren entsetzt, aber einige sehen etwas Positives in der Nachricht. Im britischen Telegraph bloggt Daniel Hannan, der für die britischen Konservativen im Europaparlament sitzt, dass er das Ergebnis zwar nicht gutheiße. Er freue sich jedoch grundsätzlich über die schweizerische Form der Volksabstimmungen als Mittel der Demokratie. In diesem einen Fall sei die Minderheit mit ihren Ansichten zwar ausgegrenzt worden, in Parteidemokratien werde aber regelmäßig die Mehrheit ausgegrenzt. Er "würde gerne unsere Probleme gegen die der Schweiz tauschen."

Der Historiker Michael Burleigh nutzt in der Daily Mail  ebenfalls die Chance, sich kritisch mit dem britischen Wahlrecht auseinanderzusetzen: "Die britischen Wähler können von einer solchen Gelegenheit [eines Referendums] bloß träumen." Außerdem verlangt er mehr Entschlossenheit von der Regierung in Großbritannien, wo die christliche Kultur beinah verloren gehe, wenn "Bars und Pubs schließen [und] Muslime einziehen". sbc

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