Ausschreitungen : Goethe-Institut in Togo verwüstet

Wenige Tage nach der umstrittenen Wahl des Präsidentensohns Fauré Gnassingbé zum neuen Staatschef von Togo haben bewaffnete Jugendliche das Goethe-Institut in der Hauptstadt Lomé verwüstet. Die Angreifer legten am frühen Freitag im Erdgeschoss des Gebäudes Feuer.

Lomé/Nairobi (29.04.2005, 15:57 Uhr) - Unter anderem brannte die Bibliothek völlig aus, der Schaden wird auf 300 000 Euro geschätzt, Menschen wurden nicht verletzt, teilte eine Institutssprecherin in München mit.

Die Motive der Angreifer sind unklar. Nach Ansicht von Beobachtern könnte die weltweit erste Attacke auf ein Goethe-Institut in Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen während des Präsidentenwahlkampfs stehen. Der kurz vor der Wahl vom vergangenen Sonntag entlassene togoische Innenminister hatte in der Deutschen Botschaft Zuflucht gefunden. Er hatte vor blutigen Ausschreitungen gewarnt und die Verlegung des Wahltermins gefordert.

Unterdessen bleibt die Lage im Land weiter gespannt. Viele Geschäfte seien noch geschlossen, die meisten Hilfsorganisationen hätten ihre Mitarbeiter außer Landes gebracht, berichtete ein Augenzeuge. Vereinzelt seien Häuser von Franzosen angegriffen worden. In einigen Viertel gebe es noch Barrikaden aus brennenden Autoreifen.

Nach Angaben des staatlichen Rundfunks sind bei den Ausschreitungen nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses am Dienstag etwa 22 Menschen ums Leben gekommen, mehr als hundert wurden verletzt. Die Opposition wirft der Regierungspartei Wahlfälschung vor und erklärte ihren Kandidaten, Bob Akitani, zum Wahlsieger.

Das Gebäude des Goethe-Instituts in Lomé war erst vor einem halben Jahr nach einer Renovierung wieder eröffnet worden. Unter den 13 Mitarbeitern sind zwei Entsandte aus Deutschland. Das Auswärtige Amt habe bei der Regierung von Togo umgehend protestiert, sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. Es werde erwartet, dass alles unternommen werde, um die Urheber des Angriffs zu ermitteln und weitere Übergriffe zu unterbinden.

Auf Grund der Unruhen richtete das Auswärtige Amt einen Krisenstab unter Leitung von Staatssekretär Jürgen Chrobog ein. Die Bundesregierung geht davon aus, dass sich weniger als 300 Deutsche dauerhaft in der ehemaligen deutschen Kolonie aufhalten. (tso)

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