Politik : Außenamt: NS-Zeit wird aufgearbeitet

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Berlin Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hat von seinen Mitarbeitern Unterstützung für die Initiative zur Aufarbeitung der Rolle des Auswärtigen Amts in der Nazi-Zeit erhalten. Fischers Vorschlag, eine unabhängige Historikerkommission einzusetzen, sei „auf überwiegende Zustimmung“ gestoßen, hieß es am Montag nach einer Personalversammlung von mehreren hundert Außenamtsmitarbeitern in Berlin. Nur vereinzelt habe es Vorbehalte gegeben, verlautete von Teilnehmern. Fischer hatte zuvor seine Initiative erläutert. Der genaue Auftrag und die Zusammensetzung der Kommission müssen noch geklärt werden.

Hintergrund ist Fischers umstrittene Änderung der hausinternen Gedenkpraxis für gestorbene Diplomaten, die NSDAP-Mitglieder waren. Der Minister hatte die ehrenden Nachrufe komplett abgeschafft und durch neutrale Todesnachrichten in der Hauszeitung ersetzen lassen. Dies löste eine heftige Debatte im Ministerium und öffentliche Kritik an seiner Amtsführung aus. Bei der zum Teil sehr emotional geführten Personalversammlung sei Fischer für seine Änderung der internen Nachrufpraxis auf Verständnis gestoßen, hieß es. Die politische Entscheidung zur Einsetzung der Historikerkommission liege bei Fischer, sagte dessen Sprecher Walter Lindner. Der Minister sehe bei dem Thema „Nachholbedarf“.

Der frühere Staatsminister im Außenamt, Helmut Schäfer (FDP), sprach sich gegen eine Historikerkommission aus. Die Verstrickung von Diplomaten in die NS-Diktatur sei ausführlich aufgearbeitet worden, sagte er im RBB-Inforadio. „Ich halte es für Unsinn, jetzt so zu tun, als hätte es gar keine Aufarbeitung der Geschichte des Auswärtigen Amts gegeben.“ Das AA war 1951 neu gegründet worden. Dabei wurden auch viele Diplomaten, die früher NSDAP-Mitglieder gewesen waren, wieder eingestellt. dpa

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