AUSSENPOLITIK : AUSSENPOLITIK

Wer in Cherbourg in der Normandie das Meeres-Museum „Cité de la Mer“ besucht, kann nicht nur Rochen streicheln und Tropenfische bestaunen, sondern sich auch das Innenleben des Atom-U-Boots „Le Redoutable“ erklären lassen. Rund 200 000 Menschen steigen Jahr für Jahr in den 128 Meter langen Stahlkoloss. Sie bekommen nicht nur eine Ahnung von der Enge an Bord des Bootes, das 1967 unter den Klängen der „Marseillaise“ in Gegenwart des damaligen Präsidenten Charles de Gaulle zu Wasser gelassen wurde und anschließend über zwei Jahrzehnte lang im Dienst der Nation stand. Sie bekommen auch einen Eindruck von der „Force de Frappe“, Frankreichs Atomstreitmacht.

Seit 1990 hat Frankreich sein Atomwaffenarsenal zwar um die Hälfte reduziert, aber lässt sich die „Force de Frappe“ pro Jahr weiter rund 3,5 Milliarden Euro kosten – der Preis für die rüstungspolitische Unabhängigkeit von den USA. Frankreich ist nach den USA, Russland und China viertstärkste Atommacht der Welt.

Welchen Wert das nukleare Abschreckungspotenzial für Frankreichs Einfluss in der weltweiten Diplomatie hat, ist unter Experten umstritten. „Ohne seine Nuklearstreitmacht könnte Frankreich die Legitimität seines ständigen Sitzes im UN-Sicherheitsrat nicht aufrechterhalten“, sagt Hans Stark, der Leiter des Studienkomitees für deutsch-französische Beziehungen (Cerfa) in Paris. Etienne de Durand, Direktor des Zentrums für Sicherheitsstudien am Pariser Außenpolitik-Thinktank Ifri, sieht das anders. Frankreich, sagt er, habe seinen Anspruch auf den ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat in den vergangenen zwei Jahrzehnten durch zahlreiche Auslandseinsätze – von Afghanistan über den Kongo bis nach Libyen – untermauert. Im Festhalten seines Landes an der Nuklearstreitmacht sieht er keinen machtpolitischen Selbstzweck. „Man hört das in Deutschland vielleicht nicht so gerne“, sagt de Durand, „aber das Nuklearpotenzial wird bleiben“. Schon wegen der Abschreckung – etwa gegenüber dem Iran – sei es sinnvoll, an der Atomstreitmacht festzuhalten: „Das Problem stellt sich nicht heute, aber es könnte sich in zehn Jahren stellen.“

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