Australien : Wahlkampf Down under

Australiens Regierungschefin Julia Gillard und ihr Herausforderer Tony Abbott gehen auf dem fünften Kontinent auf Stimmenfang.

Alexander Hofmann

Die Australier werden am kommenden Samstag entscheiden, ob sie erstmals eine Frau zur Premierministerin wählen oder nach weniger als drei Jahren unter einer Labor-Regierung wieder die Konservativen ans Ruder bringen. Nach den letzten Meinungsumfragen wird es zwischen der Labor-Politikerin Julia Gillard und ihrem konservativen Herausforderer Tony Abbott extrem spannend werden. Die Regierungschefin Julia Gillard, die erst vor zwei Monaten nach einem parteiinternen Putsch gegen ihren Vorgänger Kevin Rudd ins Amt gekommen war, gilt als leicht favorisiert.

In den vergangenen Tagen hatten die beiden Kandidaten in dem verzweifelten Versuch, die letzten noch Unentschiedenen auf ihre Seite zu ziehen, rastlos den fünften Kontinent bereist. Gillard brachte es sogar fertig, an einem Tag am Morgen an der Ostküste, Mittags in Westaustralien und am Abend wieder an der Ostküste zu sein, dazwischen lagen fast 7000 Flugkilometer. Abbott düste fast genauso hektisch von Küste zu Küste.

Umweltfreundlich ist das gerade nicht, aber die Umwelt steht diesmal ohnehin nicht an erster Stelle der Wahlkampfthemen – anders als im November 2007, als Rudd mit dem Versprechen, das Kyoto-Protokoll zu unterschreiben, viele Stimmen einheimste. Diesmal waren es vor allem wirtschaftliche Aspekte, die in den öffentlichen Diskussionen eine Rolle spielten. Gillard wurde nicht müde, darauf zu verweisen, dass es Labor zu verdanken sei, wenn Australien als einziges westliches Industrieland in der Weltfinanzkrise nicht in die Rezession schlidderte. Der Vorwurf der Opposition, zu viel Geld in die Bekämpfung der Krise gesteckt zu haben, hinderte Abbott auch nicht daran, Wahlkampfversprechen in Milliardenhöhe zu machen. Dazu zählt ein recht großzügig bemessener Mutterschaftsurlaub, den es bisher in Australien lediglich in einigen Firmen gab.

Überall diskutiert wurde auch der Umgang mit Asylsuchenden. Die hilfesuchenden Menschen, die per Boot ankommen, haben sich meist von Indonesien aus auf die gefährliche Reise gemacht, um in Australien ein besseres Leben zu finden.

Der aus Sydney stammende Abbott war nach einem Aufstand gegen seinen Vorgänger Malcolm Turnbull selbst erst im Dezember vergangenen Jahres Oppositionsführer geworden und hat seine Partei seitdem zur Überraschung vieler Beobachter aus dem Umfragekeller herausgeholt. Vor allem Abbotts Stellung als aggressiver „Wadenbeißer“ des langjährigen Premierministers John Howard ließ zunächst einen Erfolg als wenig wahrscheinlich erscheinen. Inzwischen hat er aber sein Mundwerk im Zaum gehalten, das ihn früher nicht selten in Schwierigkeiten gebracht hatte.

Der Herausforderer der Premierministerin kann sich auch deshalb Chancen am kommenden Samstag ausrechnen, weil Julia Gillard von vielen Wählern noch der „Königsmord“ an ihrem Vorgänger Rudd übel genommen wird. Rudd war nach einem dramatischen Absturz seiner Popularitätswerte von seiner Partei in einer Nacht- und Nebelaktion geschasst worden. Vor allem in Queensland, dem Herkunftsbundesland Rudds, muss sich die Labor-Partei auf den Verlust vieler Sitze einrichten.

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