Auszählung nach der Wahl : In Simbabwe bahnt sich heftiger Konflikt an

Während sich die Opposition am Sonntag bereits zum Sieger erklärte, kritisierte die Regierung das als riskante Spekulation und warnte davor, Unruhe zu schüren. Präsident Robert Mugabe zeigte sich ebenfalls siegessicher. Allerdings hat er nach Angaben der Opposition erstmals auch in seinen Hochburgen auf dem Land Verluste hinnehmen müssen.

Johannesburg/HarareIn der Hauptstadt Harare sind außergewöhnlich viele Polizisten im Einsatz. Anhänger der Opposition, die sich bei ausgelassenen Siegesfeiern in einem Vorort mit Mugabe-Anhängern angelegt haben, sind festgenommen worden.

Die Parlaments- und Präsidentenwahlen am Samstag waren überschattet von den Manipulationsvorwürfen der Opposition. Sie verliefen aber weitgehend friedlich. Beobachter äußerten sich danach besorgt über die späte Verkündung der Ergebnisse. Die Polizei hatte vor der Abstimmung aus Angst vor Gewaltausbrüchen aber davor gewarnt, vorzeitig Wahlsiege zu verkünden. Die Sicherheitskräfte sind jetzt in höchster Alarmbereitschaft.

Am Sonntagvormittag durchsuchten Sicherheitskräfte ein Büro der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) von Morgan Tsvangirai. Dort hatten MDC-Mitglieder die in den Wahllokalen bekanntgegebenen Ergebnisse zusammengerechnet. Die Städte sind traditionell Hochburgen der Opposition, während Mugabe auf dem Land seine Anhänger hat. Dort konnte Mugabes Herausforderer Makoni nach MDC-Angaben Erfolge erzielen. Insgesamt waren am Samstag 5,9 Millionen Simbabwer aufgerufen, die künftige politische Ausrichtung des Landes zu bestimmen.

Die Wahlleitung selbst geriet in die Kritik, weil sie bis Sonntagabend weder Angaben zur Wahlbeteiligung noch zu Ergebnissen machte. Sie will sich jedoch erst äußern, wenn alle Stimmen für die Neubesetzung des Parlaments sowie für die parallel abgehaltenen Kommunalwahlen ausgezählt sind. Damit wird zum Wochenanfang gerechnet. Kritiker glauben, dass die Ergebnisse bereits vorliegen.

Opposition: "Sie können uns den Sieg immer noch stehlen"

Die Stimmen werden in den einzelnen Wahllokalen ausgezählt und das jeweilige Ergebnis dann vor Ort verkündet. Anschließend werden die Einzelergebnisse zentral zusammengerechnet. Die MDC erklärte nach Auszählung von rund einem Drittel der Wahlbezirke, sie liege in der Hauptstadt Harare und in Bulawayo in Führung. "Wir haben diese Wahl gewonnen, aber sie (die Regierung) können uns den Sieg noch immer stehlen", sagte MDC-Generalsekretär Tendai Biti. Gegen Mugabe (84) tritt neben Oppositionsführer Tsvangirai auch Ex- Finanzminister Simba Makoni (58) an.

Nach Angaben der staatlich kontrollierten Zeitung "Sunday Mail" erklärte Mugabe eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen für unnötig. Zwar schreibe dies die Verfassung für den Fall vor, dass keiner der Bewerber mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereint. Aber das werde kaum nötig sein. (kj/dpa)

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