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Auszeichnung : Friedensnobelpreis für drei Frauenrechtlerinnen

Das Nobelkomitee hat drei Frauenrechtlerinnen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet: Die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf, die ebenfalls aus Liberia stammende Frauenrechtlerin Leymah Gbowee und die jemenitische Frauenrechtlerin Tawakkul Karman.

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Das "Nationale Dialogquartett" aus Tunesien hat den Friedensnobelpreis 2015 bekommen. Die Präsidentin des Arbeitgeberverbands, Ouided Bouchamaoui (von links), der Generalsekretär des größten Gewerkschaftsverbands, Houcine Abassi, der Präsident der tunesischen Menschenrechtsliga, Abdessattar Ben Moussa und der Chef des Anwaltsvereins, Mohamed Fadhel Mahmoud haben mit ihrem Dialogprozess das Abgleiten Tunesiens in einen Bürgerkrieg zwischen Säkularen und Islamisten verhindert.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Anis Mili/Reuters
09.10.2015 23:53Das "Nationale Dialogquartett" aus Tunesien hat den Friedensnobelpreis 2015 bekommen. Die Präsidentin des Arbeitgeberverbands,...

Das Nobelkomitee belohnt in diesem Jahr die Erfolge von Frauen der Demokratiebewegung in Afrika und der arabischen Welt. Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf (72), die liberianische Menschenrechtlerin Leymah Gbowee (39) und Tawakkul Karman aus dem Jemen haben am Freitag den Friedensnobelpreis 2011 zuerkannt bekommen. Erstmals in der Geschichte des Friedensnobelpreises seit 1901 ging der Preis an drei Frauen zugleich. Insgesamt wurden damit bislang erst 15 Frauen ausgezeichnet. Die 72-jährige Johnson-Sirleaf und die ihre 39 Jahre alte Landsmännin Gbowee werden als treibende Kraft bei der Beendigung des Bürgerkriegs nach 13 Jahren in ihrem Land geehrt. Die 32-jährige Karman, Mutter von drei Kindern, ist Vorsitzende der Vereinigung „Journalistinnen ohne Ketten“ im Jemen und war schon früh eine der treibenden Kräfte bei den friedlichen Protesten gegen die Diktatur.

Komiteechef Thorbjørn Jagland begründete die Entscheidung in Oslo mit dem erfolgreichen Einsatz der beiden Frauen aus Liberia zur Beendigung des Bürgerkrieges in ihrem Land nach 13 Jahren. Karman gilt als eines der bekanntesten Gesichter der Protestbewegung im Jemen. Alle drei Frauen würden für ihren friedlichen Kampf für Frauenrechte und den Aufbau einer Zivilgesellschaft in Konfliktgebieten ausgezeichnet, begründete die Jury ihre Wahl weiter. Sirleaf ist die erste demokratisch gewählte Präsidentin in Afrika; Leymah Gbowee engagierte sich jenseits aller ethnischen und religiösen Spaltungen in Liberia für eine bessere Wahlbeteiligung von Frauen. Tawakkul Karman spielt eine führende Rolle bei der Demokratiebewegung im Jemen.

Der norwegische Komiteechef Thorbjørn Jagland sagte: "Wir haben ein wichtiges Signal gesendet, dass es ohne Einbeziehung der Frauen keine Demokratie und keine friedliche Entwicklung geben kann." In der islamischen Welt sei dies mit Sicherheit eines der wichtigsten Probleme. Zu Karmans Rolle sagte er: "Sie ist schon aufgestanden und hat Mut gezeigt, als der 'Arabische Frühling' noch in weiter Ferne lag." Zu den Preisträgerinnen aus Liberia verwies Jagland auf die besondere Unterdrückung von Frauen und Kindern in Kriegen wie dem in Liberia, unter anderem durch systematische Vergewaltigungen.
Präsidentin Johnson-Sirleaf habe es "unter sehr, sehr schweren Bedingungen geschafft, die demokratische Entwicklung in Liberia am Leben zu erhalten". Gbowee gilt als eine der maßgeblich Beteiligten an der Beendigung des Bürgerkrieges 2003.

Im vergangenen Jahr wurde der inhaftierte chinesische Oppositionelle Liu Xiaobo und davor US-Präsident Barack Obama ausgezeichnet. Der Friedensnobelpreis ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert. Letzter deutscher Preisträger war 1971 der damalige Bundeskanzler Willy Brandt.

Die Bundesregierung ist mit der Vergabe des Friedensnobelpreises an drei Frauen aus Liberia und dem Jemen zufrieden. Das Nobelpreis-Komitee habe eine „weise Entscheidung“ getroffen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Die Botschaft der Preisvergabe sei, dass Frauen „eine große Hoffnung“ für eine friedlichere und bessere Entwicklung in Afrika, den arabischen Ländern und überall auf der Welt darstellten. (dapd/dpa)

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