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Autobombe in Beirut : Chef des Polizeigeheimdienstes al-Hassan getötet

Vier Jahre lang blieb es ruhig in Beirut, jetzt ist in der libanesischen Hauptstadt wieder eine Bombe hochgegangen. Obwohl sich bisher niemand zu dem Anschlag bekannt hat, blicken alle nach Syrien.

Noch hat sich niemand zu der Autobombe bekannt, die acht Menschen in Beirut in den Tod riss.
Noch hat sich niemand zu der Autobombe bekannt, die acht Menschen in Beirut in den Tod riss.Foto: dapd

Bei einem Sprengstoffanschlag in der libanesischen Hauptstadt Beirut sind am Freitag acht Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten ist nach Angaben aus Sicherheitskreisen auch General Wissam al-Hassan, ein hochrangiger Funktionär des libanesischen Geheimdienstes. Al-Hassan könnte nach Einschätzung von Beobachtern das Ziel der Attentäter gewesen sein. Er stand der oppositionellen, anti-syrischen Zukunftsbewegung des früheren libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri nahe.

Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete, 78 Menschen seien durch die Explosion auf dem Sassine-Platz im Christen-Viertel Aschrafijeh verletzt worden. Der Sprengsatz detonierte in einem Geschäftszentrum mit Banken, Cafés, Universitätsgebäuden und Läden. Die Fassaden mehrerer Häuser wurden durch die Wucht der Detonation zerstört. Mehrere Fahrzeuge brannten aus. Libanons Ministerpräsident Nadschib Mikati berief den Sicherheitsrat des Landes ein und ordnete für diesen Samstag einen Tag der Trauer an.
Al-Hassan war schon Sicherheitschef unter Rafik Hariri, der 2005 bei einem Autobombenanschlag getötet wurde. Al-Hassam soll hinter der Festnahme des früheren pro-syrischen Informationsministers Michel Semaha gestanden haben. Diesem wurde vorgeworfen, in die Planung von Bombenanschlägen gegen syrienkritische Libanesen verwickelt gewesen zu sein.

Auf Mitarbeiter von al-Hassan wurden schon zwei Mal Bombenanschläge verübt. Im Januar 2008 kam dabei der libanesische Terrorismusermittler Wissam Eid ums Leben. Nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen, soll al-Hassan vor dem Anschlag gewarnt worden sein, als er am vergangenen Donnerstag aus Paris in den Libanon zurückkehrte.
Schon bevor der Tod von Al-Hassan bekannt wurde, suchten viele Libanesen die Schuldigen in Damaskus, da sich die Explosion nur wenige Meter entfernt von einem Büro der oppositionellen Bewegung 14. März ereignete. Die Parteien der Bewegung 14. März sind Gegner der Regierungskoalition, die von der mit Syrien verbündeten Schiiten-Partei Hisbollah dominiert wird.

Der zur Zukunftsbewegung gehörende Abgeordnete Nihad Al-Maschnuk sagte: „Die Explosion von Aschrafijeh ist eine Botschaft des syrischen Regimes, das dabei ist, sich aufzulösen. Es ist eine Botschaft, mit dem Ziel, die Libanesen in Angst und Schrecken zu versetzen.“

Die syrische Regierung wies jede Verantwortung von sich. Schon wenige Minuten nach dem Anschlag im Nachbarland veröffentlichten die staatlichen syrischen Medien eine Stellungnahme von Informationsminister Omran al-Soabi. Dieser verurteilte den Anschlag als „feigen Akt des Terrorismus“.

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle verurteilte den Anschlag scharf. „Ich appelliere eindringlich an alle politische Kräfte im Libanon, jetzt kein zusätzliches Öl ins Feuer zu gießen und die politische Lage stabil zu halten. Es wäre eine Tragödie für das ohnehin fragile Land und eine große Gefahr für die ganze Region, wenn es zu einem Übergreifen der schrecklichen Gewalt aus Syrien auf den Libanon oder andere Nachbarländer käme“, hieß es in einer in Berlin veröffentlichten Erklärung.

Ähnlich äußerte sich UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Das Attentat müsste gründlich aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden, forderte Ban am Freitag in New York in einer Mitteilung. Er rief alle Beteiligten im Libanon auf, sich von dem „abscheulichen Terrorakt“ nicht provozieren zu lassen. „In dieser Zeit regionaler Unruhe ist es von größter Bedeutung, dass alle Beteiligten Ruhe und Zurückhaltung bewahren, um Frieden und Stabilität im Libanon zu erhalten.“

Der Libanon war zwischen 2004 und 2008 von einer Serie von Sprengstoffanschlägen erschüttert worden. Schon damals kam der Verdacht auf, das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad könnte an der Planung der Attentate beteiligt gewesen sein. Als Folge des Bombenattentates auf Rafik Hariri im Februar 2005 hatte Syrien seine letzten Truppen aus dem Nachbarland abziehen müssen.

Präsident Assad warnt seit Beginn des Aufstandes in Syrien vor einem „Flächenbrand“, der bald die ganze Region erfassen werde. Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien ist der Libanon gespalten in Anhänger und Gegner des Regimes von Machthaber Baschar al-Assad. (dpa)

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