Politik : Autofreier Tag: Auch die Hamburger mochten nicht vom Auto lassen

Karsten Plog

Hamburgs Autofahrer scherten sich am Freitag wenig um den den freiwilligen autofreien Tag und verstopften die Straßen wie an jedem Freitag. Das berichteten Polizei, Bus- und Taxifahrer am Freitagmittag übereinstimmend. In vielen Stadtteilen allerdings fanden Veranstaltungen statt, in denen auf die negativen Auswirkungen des Autoverkehrs aufmerksam gemacht und Alternativen aufgezeigt wurden. Dabei ging es nicht nur um die Luftverschmutzung, sondern auch den Verkehrslärm. In Hamburg wohnen etwa 200 000 Menschen an Straßen, in denen der Lärm für die Gesundheit schädlich ist. Die Zustimmung für einen autofreien Tag war in der Stadt mit mehr als 60 Prozent hoch und ein Teil der Rathauspolitiker gab sich kräftig Mühe, mit gutem Beispiel voranzugehen. Der grüne Umweltsenator Alexander Porschke liess sich beim Zirkus Hagenbeck gar auf einen Elefanten setzen und die SPD ging mit Tandems auf Radtour. Auf der Hauptbühne am Jungfernstieg in der City, der teilweise gesperrt war, eröffnete Hamburgs grüne Wissenschaftssenatorin Krista Sager den Reigen der Veranstaltungen. Selbst Bausenator Eugen Wagner (SPD) - Spitzname: "Beton-Eugen" - spielte nach längerer Weigerung mit und verkündete, er werde an diesem Tag möglichst den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Wer mit Bus und Bahn fahren wollte, musste zwar zahlen, doch galten Gruppen- und Tageskarten für zwei Tage. An mehreren Haltestellen gab es Rock-, Pop- und Sambamusik. Und bei Hagenbeck gab es für Besucher, die ohne Auto kamen, ein Geschenk. Der Höhepunkt des Tages kam dann am Abend, als sich die Freitagsstaus aufgelöst hatten: Um 18 Uhr startete am Jungfernstieg die große Abschlussrunde der Radler und Skater durch die Stadt. Sprecher von Umweltverbänden sagten, trotz der geringen Beteiligung der Autofahrer sei es gelungen, auf die Probleme aufmerksam zu machen. Dagegen meinte ein Experte der CDU, es handele sich lediglich um "Symbolismus", der keine Bewusstseinsänderung bewirke. Außerdem sei derartiges "mit den normalen Arbeitsabläufen nicht vereinbar". Krista Sager hielt dagegen: "Dies ist nicht der letzte Tag dieser Art gewesen."

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