Politik : Autogramm, bitte

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Mein persönlicher 9. November war eigentlich der 3. November 1983, der Tag, an dem ich aus der DDR geflohen bin. Von der Öffnung der Grenzen habe ich durch den Anruf eines Freundes erfahren, als ich mit dem 1. FC Köln im Trainingslager war. Noch am selben Abend habe ich versucht, mit meinen Eltern Kontakt aufzunehmen. Sie haben mich schließlich aus WestBerlin angerufen. Nach meiner Flucht sechs Jahre zuvor war dies unser erstes Telefongespräch, das nicht von der Stasi abgehört wurde. Andererseits: Es konnte ruhig jeder hören, dass es mir im Westen gut geht.

Erst nach dem Fall der Mauer konnte ich das Leben führen, das ich mir immer erträumt hatte: Als ich im Osten war, wollte ich unbedingt in den Westen. Im Westen aber musste ich ohne meine Familie und meine Freunde leben. Selbst zu meiner Hochzeit 1986 durften meine Eltern nicht ausreisen. Wir haben es immer wieder probiert, immer wieder Anträge gestellt, aber erst 1988, im Urlaub in Ungarn, haben wir uns wieder gesehen. Kurz darauf durfte mein Vater mich sogar in Köln besuchen, dann meine Mutter und schließlich meine Schwester.

Kurz vor Weihnachten 1989, gleich nach dem letzten Bundesligaspieltag, habe ich meine Eltern zum ersten Mal wieder in Berlin besucht. Am Bahnhof Friedrichstraße bin ich zurück in den Osten gegangen. Für mich war das eine seltsame Situation. Es gab schließlich immer noch Passkontrollen. Ich will nicht sagen, dass ich Angst davor hatte, aber zumindest einen enormen Respekt. „Pass, bitte“, hat der Grenzbeamte gesagt. Dann hat er mich gefragt, ob ich eine Autogrammkarte für ihn hätte. Fotos: Imago, ddp

Falko Götz war 1989 Spieler beim 1. FC Köln und ist heute Trainer von Hertha BSC.

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