Politik : Automat schlägt Cannabis

Jugendliche konsumieren weniger klassische Rauschmittel, dafür werden Glücksspiel und Internetsucht zunehmend zum Problem.

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Suchtgefahr. Vor allem junge Männer spielen zunehmend an Automaten. Foto: dpa
Suchtgefahr. Vor allem junge Männer spielen zunehmend an Automaten. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Berlin - Zigaretten, Cannabis, Alkohol: Diese Rauschmittel verlieren für Jugendliche offenbar ihren Reiz. Dafür sitzen immer mehr von ihnen vor Spielautomaten oder am Computer. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesregierung im Drogen- und Suchtbericht, den die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) am Dienstag in Berlin vorstellte.

Glücksspiel, vor allem an Automaten, wird demnach bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zunehmend zum Problem. In der Altersgruppe der 16- bis 20-Jährigen habe der Trend zum Automatenspiel stark zugenommen. Knapp 25 Prozent der 16- und 17-Jährigen hätten 2011 gewerbliches Glücksspiel genutzt, sagte Dyckmans, 2009 seien es nur 15 Prozent der Jugendlichen in dieser Altersgruppe gewesen. Die meisten von ihnen sind junge Männer mit Migrationshintergrund. „Viele der Betroffenen sind arbeitslos und spielen tagsüber“, sagte Dyckmans. Entgegen den gesetzlichen Vorgaben hätten Jugendliche unter 18 Jahren in vielen Gaststätten unkontrollierten Zugang zu Automaten – in Kasinos und Spielhallen werde besser kontrolliert. „Deswegen will ich eine drastische Reduzierung der Anzahl der Automaten in Gaststätten erreichen“, sagte sie. Momentan sind drei Automaten pro Gaststätte erlaubt. Die Bundesregierung will diese nun auf ein oder zwei reduzieren, möglichst noch vor der Sommerpause. Die neue Verordnung soll strengere Auflagen und höhere Geldstrafen enthalten.

Auch Computerspiele und exzessive Internetnutzung stuft der Bericht als zunehmend problematisch ein: Etwa 250 000 der 14- bis 24- Jährigen seien bereits internetabhängig, 1,4 Millionen gelten als problematische Internetnutzer. Dyckmans will deshalb für bessere Aufklärung über „verantwortungsvollen Computer- und Internetgebrauch“ sorgen.

Als erfreulich bezeichnete die Drogenbeauftragte die Entwicklung im Bereich der klassischen Rauschmittel. So rauchen beispielsweise Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren so wenig wie nie zuvor: Die Zahl ist 2011 auf unter 12 Prozent gesunken – 2001 waren es noch 27,5 Prozent gewesen. In eine ähnliche Richtung entwickelt sich der Alkoholkonsum: Nur noch 14,2 Prozent der Jugendlichen geben an, mindestens einmal wöchentlich Alkohol zu trinken. Und nur noch 6,7 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sagen, mindestens einmal Cannabis probiert zu haben, weniger als die Hälfte der Zahl aus 2004. „In vielen Bereichen zeigen die Maßnahmen Wirkung“, sagte Dyckmans.

Trotzdem gebe es Gruppen, die besser erreicht werden müssten: So ist zum Beispiel das „Rauschtrinken“ bei älteren Jugendlichen nach wie vor weit verbreitet. Und der regelmäßige Alkoholkonsum von jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren liegt unverändert hoch bei knapp 40 Prozent.

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