Politik : Autopsie nach Schiavos Tod geplant

Nach dem näher rückenden Tod der Komapatientin Terri Schiavo wird auf Wunsch ihres Ehemannes eine Autopsie durchgeführt, um die Schwere ihres Gehirnschadens nachzuweisen. Der Zustand der 41- Jährigen verschlechterte sich weiter.

Washington (29.03.2005, 15:48 Uhr) - Die Ergebnisse der Autopsie würden veröffentlicht, teilte Michael Schiavos Anwalt George Felos am Montag (Ortszeit) in Florida mit. Sein Mandant wolle damit von der Gegenseite gestreute Gerüchte ausräumen, er wolle durch die geplante Einäscherung etwas vertuschen.

Die Eltern der Kranken, Bob und Mary Schindler, glauben fest daran, dass ihre Tochter nicht so schwer hirngeschädigt ist, wie es vom Ehemann dargestellt wird. Auch zahlreiche unabhängige Gutachter hatte die schwere Schädigung bestätigt. Mutter und Vater haben außerdem den Verdacht geäußert, dass Michael Schiavo seine Frau geschlagen habe, dadurch ihren Schädel verletzte und den Gehirnschaden verursachte.

Die meisten Ärzte, die Terri Schiavo untersucht haben, vermuten dagegen, dass eine Essstörung zu extremem Kaliummangel und dann zu einer Herzattacke führte. Als deren Folge sei das Gehirn dann fünf Minuten ohne Sauerstoffversorgung geblieben.

Felos bestätigte, dass sich der Zustand der 41-Jährigen, für die am Dienstag der zwölfte Tag ohne Ernährung begann, verschlechtert habe. Ihre Augen seien stärker eingesunken, ihre Atmung und ihr Puls seien unregelmäßiger. Und sie habe aufgehört, Wasser zu lassen - ein Hinweis auf beginnendes Nierenversagen. Es gebe aber nach wie vor keinerlei Anzeichen dafür, dass Terri Schiavo körperliches «Unwohlsein» verspüre. Sie liege weiterhin «friedlich» und «ruhig» in ihrem Bett - umgeben von Blumen, mit sanfter Musik im Hintergrund und einem Stofftier im Arm, schilderte der Anwalt weiter, der die Kranke zuvor im Hospiz in Pinellas Park besucht hatte.

Zuvor hatte der Vater der Kranken, Bob Schindler, ebenfalls erklärt, es gehe seiner Tochter immer schlechter. Aber sie habe ihren Lebenswillen noch nicht verloren. Sie «kämpfe wie verrückt» gegen das Sterben, schilderte Schindler am Montag (Ortszeit). «Sie fleht um Hilfe.» Schindler äußerte zugleich die Befürchtung, die Betreuer im Hospiz könnten der Kranken eine Überdosis von Morphium verabreichen, um ihren Tod zu beschleunigen. Die Leitung der Pflegeeinrichtung wies dies entschieden zurück.

Anwalt Felos bezeichnete zudem die Darstellung der Gegenseite als falsch, dass die Komapatientin ständig mit Morphium versorgt werde, weil sie doch leide. «Terri hängt nicht an einem Morphium-Tropf», sagte Felos. Sie habe lediglich seit dem Abbruch der künstlichen Ernährung zwei Mal per Zäpfchen die kleinstmögliche Dosis dieser Schmerzlinderungsdroge erhalten, nachdem sie in einem Fall leise gestöhnt und beim zweiten Mal das Gesicht verzogen habe. Die Dosis habe jeweils lediglich fünf Milligramm mit einer Wirkungsdauer von nur einer Stunde erhalten, während leidende Krebspatienten zwischen 30 und 200 Milligramm erhielten. (tso)

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