Politik : Aznar gibt Fehler im Kampf gegen Islamisten zu Spaniens Ex-Premier: Haben uns

zu sehr auf die Eta konzentriert

Ralph Schulze

Madrid . Spaniens früherer Regierungschef José Maria Aznar hat eingeräumt, die islamistische Terrorgefahr in Spanien vor dem verheerenden Anschlag am 11. März möglicherweise unterschätzt zu haben. In einem Rückblick „Acht Jahre Regierung“, den der Konservative nun als Buch herausbrachte, gibt er zu, dass seine Regierung „die Wachsamkeit gegenüber der fundamentalistischen Gefahr verringert“ habe. Der Staat habe sich womöglich zu sehr auf den Kampf gegen die baskische Terrororganisation Eta konzentriert, wo die Polizei in den letzten Jahren erhebliche Erfolge erzielt habe.

Zugleich befürchtet Aznar, dass die Extremisten erneut Europa zum Ziel wählen könnten: „Der islamistische Terrorismus hat bereits in Europa zugeschlagen, und nach dem 11. März wird er seine Aktivitäten verstärken, wenn wir Zeichen der Schwäche zeigen.“ Kein Land sei von diesem Risiko ausgenommen. „Keine Grenze garantiert uns, vor einem Angriff sicher zu sein.“

Aznar, dessen konservative Partei überraschend die Wahl drei Tage nach dem Terroranschlag verloren hatte, bestritt zugleich, die Öffentlichkeit zunächst über die Hintergründe des Attentates am 11. März belogen zu haben. Aznar und seine Regierung hatten bis zum Wahltag den Eindruck erweckt, dass Terroristen der baskischen Eta die Hauptverdächtigen seien. Die Ermittler der Polizei hatten die Eta-Täterschaft, wie man inzwischen weiß, bereits am ersten Tag so gut wie ausgeschlossen.

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