Politik : Bachelet als Präsidentin in Chile vereidigt

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Berlin - Michelle Bachelet ist am Samstag als erste Frau Chiles ins Präsidentenamt eingeführt worden. Im Beisein zahlreicher internationaler Gäste, darunter US-Außenministerin Condoleezza Rice und Boliviens Präsident Evo Morales, der als erster Staatschef seines Landes nach mehr als 50 Jahren zu einem Staatsbesuch im Nachbarland eintraf, legte Bachelet ihren Amtseid ab. Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bekräftigte, man werde weiterhin gut zusammenarbeiten und vor allem Energieprojekte sowie Dreieckskooperationen zwischen Deutschland, Chile und anderen lateinamerikanischen Ländern fördern.

Die 54-jährige Bachelet steht in Chile für Kontinuität. Einerseits. Sie entstammt dem gleichen Mitte-Links-Parteienbündnis wie die Amtsinhaber seit dem Ende der Pinochet-Diktatur. Sie strebt weder eine politische noch eine wirtschaftliche Revolution an. Das erfolgreiche neoliberale Modell ihres Vorgängers Ricardo Lagos wird sie kaum antasten. Warum auch? Das Bruttoinlandsprodukt wuchs zuletzt durchschnittlich um sechs Prozent, die Arbeitslosigkeit blieb unter zehn Prozent.

Und dennoch. Die Sozialistin, allein erziehende Mutter dreier Kinder wird im erzkonservativen Chile doch auch eine kleine kulturelle Revolution auslösen. Politik ist für die Kinderärztin auch so etwas wie Medizin im Großen. Sie will heilen. Wunden heilen, die Militärdiktatur, Armut und soziale Ungleichheit der chilenischen Gesellschaft geschlagen haben. Sie will den Demokratisierungsprozess vertiefen. Will Gerechtigkeit und eine Entschädigung für alle Opfer politischer Gewalt befördern. Und sie will mehr Gerechtigkeit. Denn trotz aller wirtschaftlichen Erfolge leben immer noch 18 Prozent der Chilenen unterhalb der Armutsgrenze.

Die Erwartungen an Bachelet sind riesig. Vor ihrem Amtsantritt hat sie deutlich gemacht, dass sie manches anders machen wird als ihre männlichen Vorgänger – und mit wem sie das zu tun gedenkt. So hat sie von 20 Ministerposten zehn mit Frauen besetzt. Sie hat, anders als üblich, keinen einzigen Minister aus dem Kabinett des scheidenden Präsidenten übernommen. Und sie hat die Mannschaft deutlich verjüngt: Das Durchschnittsalter liegt nunmehr bei etwa 50 Jahren.mis

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