Baden-Württemberg : Guido Wolf soll die Südwest-CDU zurück an die Macht führen

Der 53-jährige bisherige Landtagspräsident Guido Wolf ist der neue Hoffnungsträger der CDU in Baden-Württemberg. Doch Profil und Programm des Spitzenkandidaten sind noch sehr vage.

von
Guido Wolf ist der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg.
Guido Wolf ist der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg.Foto: dpa

Guido Wolf, 53, steht nun schon viele Minuten auf der großen Bühne, eingereiht von seinem jungen Unterstützerteam, reckt mal mit der rechten Hand einen Blumenstrauß in die Höhe, winkt mal mit der linken in den Saal, wo über 300 Delegierten begeistert im Takt zur Instrumentalversion von Andreas Bouranis Wohlfühlpopsong "Auf uns" klatschen. "Wer friert uns diesen Moment ein", lautet die erste Zeile des Lieds, das die Stimmungslage des Landesparteitags der CDU Baden-Württemberg im Ulmer Congress Centrum gut wiedergibt und immer wieder aufs Neue abgespielt wird.

Das Rampenlicht ist für Guido Wolf noch gewöhnungsbedürftig

Nur dem eben mit knapp 94 Prozent formal zum CDU-Spitzenkandidaten und damit zum Herausforderer des populären grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann bei der Landtagswahl 2016 gekürten Wolf ist anzumerken, dass er mit den Siegerposen noch ein wenig fremdelt. "Das ist für mich gewöhnungsbedürftig", wird er später sagen.


Die CDU-Basis will wieder Siegerposen sehen, und Wolf soll ihr den Grund dafür liefern, die Rückkehr an die Regierung nach dem historischen Machtverlust von 2011 besiegeln. Das ist die Botschaft des Krönungsparteitags von Ulm. Vor vier Jahren hatten die Schwarzen in ihrem Stammland mit dem unbeliebten Stefan Mappus nur 39 Prozent geholt; seither drücken sie erstmals in der Landesgeschichte die Oppositionsbänke.

"Ihr könnt Euch auf mich verlassen"

Das soll sich im März 2016 wieder ändern. „Ich spüre die Verantwortung“, sagt Wolf, und verspricht, das in ihn gesetzte Vertrauen nicht enttäuschen zu wollen: "Ihr könnt Euch auf mich verlassen." Der frühere Landrat von Tuttlingen und bisherige Landtagspräsident wiederum kann sich auf Thomas Strobl verlassen, den CDU-Landeschef, den er bei der Mitgliederbefragung zur Spitzenkandidatur für viele überraschend geschlagen hat. Die Niederlage habe er wie einen "Schlag in die Magengrube" empfunden, hat Strobl vor dem Parteitag seine Seelenlage beschrieben. Nun aber richtet er den Blick nach vorn: "Ich werde als Landesvorsitzender alles dafür tun, dass der nächste Ministerpräsident Guido Wolf heißt." Strobl erinnert daran, dass der Landesverband bei der Bundestagswahl 2013 mit 45,7 Prozent das beste CDU-Ergebnis überhaupt eingefahren habe und Grün-Rot seit mehr als einem Jahr "in allen seriösen Umfragen keine Mehrheit mehr in Baden-Württemberg hat".

Der 53-Jährige setzt rhetorisch auf Pointen und Polemik


Dass die Umfragen so knapp ausfallen, dass 2016 alles möglich scheint, ein Drei-Parteien- wie ein Fünf-Parteien-Landtag, die Fortsetzung von Grün-Rot wie die Rückkehr von Schwarz-Gelb, verschweigt Strobl. Stattdessen gibt er eine knackige Parole aus: "Wir machen Grün-Rot zu einer historischen Episode, zu einer Fußnote in der Geschichte Baden-Württembergs."
Wolf setzt rhetorisch auf eine Mischung aus Pointen und Polemik und inhaltlich auf ein eher konservatives Profil, auch wenn er sich und seine Partei "in der Mitte der Gesellschaft" verortet. Er wettert gegen "Öko-Dirigismus" in der Landwirtschaft, gegen "Stillstand" in der grünen Verkehrspolitik, gegen "bildungspolitische Gleichmacherei", gegen zu viel Facettenreichtum in der grün-roten Gesellschaftspolitik. Ganz offensichtlich setzt der Oberschwabe auf die Mobilisierung der Stammwählerschaft, der eher ländlichen, strukurkonservativen Klientel. Ein Bündnis mit der AfD schließt er aus, hat aber angekündigt, dorthin abgewanderte Wähler zurückgewinnen zu wollen.

Sollte es mit der FDP nicht reichen, würde er wohl mit der SPD koalieren

Sollte es 2016 für eine gemeinsame Regierung mit der FDP nicht reichen, würde Wolf wohl eine Koalition mit der SPD klar einem schwarz-grünen Bündnis vorziehen: "Die SPD hat in der Innenpolitik einige ganz gute Ideen. Wenn sie bei den Grünen so auf Granit beißt, muss sie sich fragen, ob sie den richtigen Koalitionspartner hat."
Doch bis zur Wahl im März 2016 ist es noch lang, und es gibt viele Pflöcke, die Wolf bis dahin noch einschlagen muss. Noch ist unklar, wie er als Person gegen den populären Kretschmann punkten will – und mit welchen konkreten Inhalten gegen die grün-rote Koalition. Noch ist offen, ob er mit Strobl als Doppelspitze in den Landtagswahlkampf zieht – oder ob er beim nächsten Landesparteitag im September nicht doch nach dem Landesvorsitz greift. Das Duo will erstmal schauen, wie man in der jetzigen Konstellation miteinander klarkommt.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar