Baden-Württemberg : Oettingers Porsche

Für Baden-Württembergs Ministerpräsidenten ist die Rettung des Autobauers auch eine Prestigefrage.

Bettina Wieselmann[Stuttgart]

In Stuttgart beginnen Sätze derzeit gern mit „Wenn ...“. Etwa so: Wenn der VfB heute in München die Bayern schlägt und wenn Wolfsburg gegen Werder unterliegt, wäre Stuttgart plötzlich Deutscher Meister. Die Landeshauptstadt jedenfalls ist für den Fall der Fälle gerüstet: Eine rollende Bühne steht parat, auf der die siegreiche Mannschaft am Abend in der Mercedesstraße feiern könnte – wenn ...

Fußballfan Günther Oettinger freilich, der das Spiel in München am heutigen Samstag nach der Bundespräsidentenwahl in Berlin verfolgen wird, hängt keinen Träumereien nach. Sportlich-fair, wie er in solchen Fragen ist, würde Baden-Württembergs Ministerpräsident sogar den in der Bundesliga führenden Niedersachsen und seinem Kollegen Christian Wulff diesen Triumph gönnen. Ganz besonders dann, wenn Stuttgart und das Land nicht zum Verlierer auf weit wichtigerem Spielfeld werden: im Machtkampf Porsche-VW.

Der ist immer noch nicht entschieden, aber das Blatt scheint sich wieder zum Besseren für die im Zuge der geplanten VW-Übernahme mit neun Milliarden Euro verschuldete, im operativen Geschäft aber gesunde Luxusautoschmiede zu wenden. Hilfreich war dabei zumindest im Psychologischen, dass Ferdinand Piech, Aufsichtsratschef bei VW in Wolfsburg und Porsche-Miteigner, mit seinen jüngsten Ausfällen gegenüber Porsche-Chef Wendelin Wiedeking nicht nur in den Augen der Porsche-Familie offenkundig überzogen hatte. Wulff, dessen Land eine 20-prozentige Sperrminorität an VW besitzt, gibt sich inzwischen staatsmännisch: So wie man nicht wolle, dass der Schwanz mit dem Hund wedele, so könne das Ziel eines gemeinsamen Antritts eines fusionierten Weltkonzerns durchaus mit einem arabischen Investor bewerkstelligt werden. Bis vor wenigen Tagen war dieser Porsche-Ansatz von Piech brüsk abgelehnt worden.

Hinter den Kulissen beteiligt sich Oettinger intensiv am Ringen um die Absicherung des Automobilstandorts Baden- Württemberg. Am Mittwoch drängten sich diverse schwarze Porsche Cayenne vor seinem Amtssitz, der Villa Reitzenstein. Wiedeking, Finanzvorstand Holger Härter und Betriebsratschef Uwe Hück loteten zusammen mit Oettinger und drei Ministern Unterstützungsmöglichkeiten durch das Land aus. Oettinger wird sich, wie zu erfahren war, bei den Gremien der bundeseigenen Förderbank KfW stark machen für Porsches Antrag auf einen (ganz normalen, wie es heißt) Kredit im Umfang von 1,5 Milliarden Euro. Um absehbare Verbindlichkeiten zu bedienen, bedarf es einer weiteren Milliarde. Das Land Baden-Württemberg stünde „hilfsweise“ auch mit einer Bürgschaft parat. In Rede stehen 500 Millionen Euro. SPD-Oppositionschef Claus Schmiedel sekundiert bereits: „Wir müssen erreichen, dass die Porsche-Holding, die 51 Prozent VW-Anteile umfasst, ihren Sitz in Stuttgart behält.“

In langwierigen Gesprächen, die Oettinger „bis an die Grenzen des Bankenrechts“ geführt hätten, wie Insider sagen, hatte der Ministerpräsident schon im Frühjahr, als die Finanzmisere Porsches offenkundig wurde, die Baden-Württembergische Landesbank (LBBW) überzeugen können, die Konsortialführerschaft bei Porsche zu übernehmen. Das Ziel Oettingers ist klar: Produktion und die so wichtige Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Porsche, Stuttgarts größtem Steuerzahler, müssen im Land bleiben. Baden-Württemberg sei schließlich auch deshalb so stark, weil es nicht nur Betriebsfilialen, sondern reichlich Unternehmenszentralen habe, erinnerte Oettinger jüngst. Einen potenziellen Verbündeten sieht Oettinger auch in Wolfsburg: VW-Chef Martin Winterkorn ist nicht nur ein Baden-Württemberger, er ist auch ein Freund des Stuttgarter Regierungschefs.

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