Bagdad : Blutiger Anschläge auf jubelnde Fußballfans

Der Jubel über den Erfolg der irakischen Fußball-Nationalmannschaft währte kurz. Dann rissen zwei Selbstmordattentäter in Bagdad mindestens 25 feiernde Fans mit sich in den Tod.

Bagdad Nach dem Erfolg der irakischen Fußball- Nationalmannschaft haben zwei Selbstmordattentäter in Bagdad 25 Iraker mit in den Tod gerissen. Die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak berichtete unter Berufung auf die Polizei, ein Attentäter habe sich in Neu-Bagdad inmitten der Feiernden mit einer Autobombe in die Luft gesprengt. Die Exlosion in der Nähe einer Straßensperre der irakischen Armee tötete fünf Soldaten und zehn Zivilisten. 30 weitere Menschen seien verletzt worden. Bei einem ähnlichen Anschlag in dem Villenvorort Mansur starben den Angaben zufolge zehn Menschen. 15 weitere Iraker wurden verletzt. Das irakische Fußballteam hat am Mittwoch beim Asien Cup zum ersten Mal das Finale erreicht.

Dieser Halbfinal-Sieg hat die Iraker wie selten geeint: Am Mittwoch lagen sich Sunniten, Schiiten, Kurden und Turkmenen in den Armen, um den Einzug der Nationalmannschaft ins Finale der Asienmeisterschaft zu feiern. Frauen verteilten in Bagdad Süßigkeiten auf den Straßen und ließen Freudentriller erklingen. Überall waren Menschen mit ihren Autos unterwegs, die irakische Fahnen schwenkten. Es ertönten Freudenschüsse. Sogar Soldaten und Polizisten gaben aus ihren Dienstwaffen Schüsse in die Luft ab. "So eine festliche Stimmung hat Bagdad seit Jahren nicht mehr erlebt", sagte ein Augenzeuge in der irakischen Hauptstadt.

Immer mehr Ärzte fliehen ins Ausland

Die irakische Nationalmannschaft, die wegen der Gewalt im Land unter erschwerten Bedingungen trainieren muss, konnte das Halbfinale gegen Südkorea erst beim Elfmeterschießen für sich entscheiden. Südkorea hatte im Juni den Abzug seiner noch im Irak stationierten Truppen angekündigt. Das Finale der Asienspiele findet am kommenden Sonntag in der indonesischen Hauptstadt Jakarta statt.

Unterdessen berichtete ein Mitglied des Gesundheitskomitees des irakischen Parlaments am Mittwoch, in den irakischen Krankenhäusern werde das medizinische Personal knapp, weil viele Ärzte aus Angst vor Entführungen und Morden ihre Arbeit aufgegeben hätten. Der Parlamentarier Mustafa al-Hiti sagte, 80 Prozent der Ärzte hätte inzwischen die Krankenhäuser verlassen. Seit dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein im April 2003 seien insgesamt 627 Angestellte im Gesundheitssektor getötet worden. Weil die Ärzte im Irak besonders häufig Ziel von Gewalt werden, haben viele von ihnen ihren Beruf aufgegeben. Andere sind gleich ausgewandert.

Weitere Anschläge in Sadr City und Kerbala

Verschlimmert hatte sich die Lage in den Krankenhäusern, als das Gesundheitsministerium von einem Angehörigen der Bewegung des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr geleitet worden war, der inzwischen zurückgetreten ist. Sunniten hatten oft Angst, von schiitischen Milizionären ermordet zu werden, wenn sie Leichen getöteter Verwandter im Krankenhaus abholten.

Die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak meldete, bei einer irakisch- amerikanischen Razzia in Bagdads Schiiten-Vorort Sadr-City seien mindestens acht Iraker getötet und zehn weitere Menschen verletzt worden. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen überlebte der Polizeichef der schiitischen Pilgerstadt Kerbela, Raed Schaker, unverletzt einen Sprengstoffangriff. Zwei seiner Leibwächter starben. Die US-Truppen nahmen am Mittwoch nach eigenen Angaben 20 mutmaßliche sunnitische Extremisten gefangen. (mit dpa)

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