Politik : Bagdad für Umsiedlung von Arabern aus Kirkuk

Kurden wollen ölreiche Region eingliedern

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Bagdad - Iraks Regierung hat am Wochenende einen umstrittenen Entschluss gebilligt, der die Umsiedlung und Entschädigung tausender Araber aus der nördlichen Provinz Kirkuk vorsieht. Saddam Husseins Regime hatte die Araber dort über Jahrzehnte angesiedelt, um die mehrheitlich in Kirkuk lebenden Kurden zu verdrängen. Jetzt wollen die Kurden Kirkuk in ihr Autonomiegebiet mit aufnehmen. Die Region ist äußerst attraktiv, da dort nach Schätzungen die drittgrößten Ölvorkommen des Landes liegen.

Vor allem sunnitische Araber und Turkmenen dagegen lehnen die Eingliederung Kirkuks unter direkte kurdische Kontrolle ab, auch der Nachbar im Norden, die Türkei, ist dagegen. Sie sieht darin eine Vorstufe eines eigenen Kurdenstaates auf irakischem Boden, der durch die Erdölressourcen wirtschaftlich lebensfähig wäre und aus türkischer Sicht separatistische Kurden in der Türkei ermuntern würde. Dort sind im Konflikt mit extremistischen Kurden seit 1984 mehr als 30 000 Menschen gestorben.

Offenbar hat die schiitisch dominierte Regierung in Bagdad schon Ende vergangener Woche beschlossen, Araber, die aus Kirkuk wegziehen wollen, materiell zu entschädigen. Die umstrittene Entscheidung könnte nach Ansicht von Beobachtern auch das Rücktrittsgesuch von Justizminister Haschim al-Schibli ausgelöst haben. Der Sunnit bestätigte dies nicht ausdrücklich, sondern sagte nur, dass er sich mit „gewissen Tendenzen in der Regierung“ nicht mehr identifizieren könne. Nach dem Kabinettsbeschluss sollen umzugswillige Araber 20 Millionen Dinar (12 000 Euro) und ein Stück Land erhalten. Bis Ende des Jahres soll ein Referendum darüber entscheiden, ob die Provinz Kirkuk der kurdischen Autonomieregion im Nordirak angeschlossen werden soll.

Mit dem Bombenanschlag im westirakischen Tal Afar vom vergangenen Dienstag hat die Gewaltwelle im Irak einen weiteren Höhepunkt erreicht: Das Innenministerium korrigierte die Zahl der Toten auf 152 von 85 nach oben und erklärte die Attacke zur bislang folgenschwersten im ganzen Irakkrieg. 347 Menschen wurden demnach verletzt, als zwei Lastwagen in dem Ort detonierten. „Wir haben eine ganze Weile gebraucht, um alle Leichen unter den Trümmern der Häuser zu finden“, sagte Ministeriumssprecher Abdul Karim Chalaf. Die Explosion von zwei Tonnen Sprengstoff habe in dem schiitischen Wohngebiet etwa 100 Gebäude zerstört und einen 23 Meter breiten Krater in die Erde gerissen. Der gezielte Anschlag auf Schiiten hatte nur wenig später zu Vergeltungsangriffen auf sunnitische Iraker geführt. Dabei zogen bewaffnete Schiiten, darunter viele Polizisten, von Haus zu Haus und töteten Männer jeden Alters mit Kopfschüssen. Insgesamt stieg die Zahl getöteter Zivilisten, Soldaten und Polizisten im Irak im März gegenüber dem Vormonat um 15 Prozent. 2078 Iraker seien gestorben, davon 1869 Zivilisten, teilte das Verteidigungsministerium mit. AFP/dpa/Tsp

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