Politik : Bahn erhöht vor Weihnachten die Preise

Bernd Hops

Berlin - Nach wochenlangen Diskussionen hat sich die Deutsche Bahn nun offenbar entschieden: Pünktlich zum Vorweihnachtsverkehr werden Bahntickets deutlich teurer, wie der Tagesspiegel am Montag aus Kreisen des Konzernvorstands erfuhr. Bahnchef Hartmut Mehdorn habe sich durchgesetzt. Im Schnitt werden Kunden demnach für Bahnfahrten im Fernverkehr rund 3,5 Prozent mehr für ihre Tickets zahlen müssen. Nur bei Reisen bis zu einer Entfernung von bis zu 150 Kilometern und mehr als 750 Kilometern bleiben die Preise demnach unverändert.

Auch für Fahrten in Nahverkehrszügen ist ein Preisaufschlag geplant. Bis zu einer Strecke von 100 Kilometern sollen Bahnfahrer künftig 3,9 Prozent mehr zahlen, bei 100 bis 300 Kilometern 3,3 Prozent. Allerdings hatten bereits zum Wochenende Brandenburg, Nordrhein- Westfalen und Sachsen-Anhalt angekündigt, einen solchen Schritt nicht genehmigen zu wollen. Im Nahverkehr braucht die Bahn für höhere Preise eine Zustimmung der Bundesländer. Im Fernverkehr kann der Konzern allerdings frei entscheiden.

Von Seiten der Regierung wurde die Entscheidung heftig kritisiert. Albert Schmidt, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, sagte dem Tagesspiegel, die Fahrpreiserhöhung sei der zweite strategische Fehler Mehdorns nach dem gescheiterten Versuch, die Bahntarife zu reformieren. „Und darunter leidet die Bahn heute noch.“ Karin Rehbock-Zureich, Bahnexpertin der SPD, sprach von einem „falschen Signal“, das die Bahn gebe. Eine Reduzierung der Mehrwertsteuer für Bahntickets, wie von Rot-Grün zunächst in Aussicht gestellt, ist damit vorerst ausgeschlossen. Ein Sprecher der Eisenbahnergewerkschaft Transnet sagte: „Dies ist eine hochproblematische Entscheidung.“

Bereits seit Wochen hatte die Bahn den Entschluss vorbereitet und auf die immer weiter steigenden Energiepreise verwiesen. Allerdings erfuhr der Tagesspiegel aus Konzernkreisen, dass bei einer einfachen Umlegung der gestiegenen Kosten lediglich eine Anhebung der Ticketpreise um 0,4 Prozent zu rechtfertigen wäre.

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