Bahnhofsschlägerei : Neonazis greifen Jugendliche an - NPD dementiert

80 bis 100 Neonazis, die auf dem Weg zu einem NPD-Aufmarsch waren, sind auf einem Bahnhof bei Rostock auf 60 linke Jugendlichen getroffen. Bei der darauf folgenden Schlägerei wurden sieben Menschen verletzt. Während die NPD von Notwehr spricht, berichten Augenzeugen von einem Angriff der Rechten.

Marie Preuß,Jörg Vogler

Auf dem Weg zu einer NPD-Demonstration in Rostock sollen 80 bis 100 Neonazis am vergangenen Wochenende auf eine Gruppe von Jugendlichen losgegangen sein. Die rund 60 Gegner, von tagesschau.de als Alternative beschrieben, waren auf dem Rückweg von einem Musikfestival, als am Bahnhof in Pölchow in der Nähe von Rostock die rechten Angreifer Zug-Fensterscheiben zerschlugen, in Waggons eindrangen und auf die Insassen einprügelten. Das berichtet tagesschau.de und beruft sich auf Augenzeugen. Einige der Alternativen seien aus dem Zug auf den Bahnsteig gezogen und dort zusammengeschlagen worden. Erste Medienberichte, wonach ein sechsjähriges Kind verletzt wurde, bestätigten sich nicht.

Bei den Ausschreitungen seien sieben Menschen verletzt worden; am Zug sei erheblicher Sachschaden entstanden. Einige Anwohner halfen den flüchtenden Jugendlichen, die sich in umliegende Häuser retten konnten. Unklar bleibt allerdings, wer die Schlägerei provoziert hat. Während Augenzeugen von einem Angriff der Rechten berichten, sehen sich die NPD-Anhänger als Opfer der "linken Terroristen".

Kein Polizist vor Ort

Die Neonazis waren ohne Polizeieskorte zu der Demonstration angereist. In Rostock selbst sollten 2000 Polizisten für die Sicherheit der Demonstranten und Gegendemonstranten sorgen. In der Bahn und am Schauplatz der Ausschreitungen soll sich jedoch kein einziger Polizist befunden haben.

Der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Peter Ritter, sagte tagesschau.de, es sei höchst fragwürdig, eine große Gruppe von Neonazis nicht zu beobachten und zu begleiten. Einige der Schläger konnten aber mittlerweile identifiziert werden. Besonders verstimmt zeigte sich Ritter darüber, dass beim G-8-Gipfel ein Großaufgebot der Polizei zugegen gewesen sei - für den NPD-Aufmarsch habe man sich aber nicht genug interessiert.

Auf der NPD-Demonstration wurde der Vorfall heruntergespielt. Der NPD-Landtagsabgeordnete Stefan Köster sprach in seiner Rede davon, dass NPD-Anhänger in der Bahn von "linken Terroristen" angegriffen worden seien. Von der Polizei gab es bis jetzt keinen Kommentar zu dem Vorfall.

Im Schweriner Landtag sicherte Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) am Freitag eine zügige Aufklärung der Vorfälle zu.

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