Bahnstreik : Lokführer wollen Deutschland lahmlegen

Bei der Deutschen Bahn soll sich morgen von 8 bis 11 Uhr kein Zug bewegen – weder im Güter- und Fernverkehr noch bei der Berliner S-Bahn. Auch die Berliner S-Bahnen sind betroffen.

Bernd Hops,Stefan Jacobs

Berlin - Für den Stillstand der Züge will die Lokführergewerkschaft GDL sorgen, um den Druck im Tarifstreit zu erhöhen. GDL-Chef Manfred Schell sagte am Donnerstag: „Wir wollen mit diesem befristeten Arbeitskampf ein Signal setzen. Die Deutsche Bahn soll sich nun endlich bewegen und der GDL bis Anfang nächster Woche ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch legen.“ Sollte das nicht geschehen, könne es bereits in der nächsten Woche erneut Streiks geben. Allerdings war am Abend noch fraglich, ob die GDL überhaupt streiken darf. Die Bahn hatte vor dem Arbeitsgericht Chemnitz mehrere einstweilige Verfügungen beantragt, ein Urteil stand bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch aus.

Die Bahn kündigte an, die Auswirkungen für die Kunden durch einen stark reduzierten Fahrplan möglichst weit zu lindern. Details wollte der Konzern am Donnerstagabend im Internet bekannt geben. Außerdem würden Fragen der Fahrgäste unter der kostenlosen Telefonnummer 08000-996633 beantwortet. Im Fernverkehr will die Bahn zwei Drittel der sonst täglich 750 Züge fahren lassen. Im Regionalverkehr, zu dem auch die S-Bahnen gehören, soll es im Vergleich zum normalen Fahrplan jeder zweite Zug sein. In Berlin soll auf allen S-Bahn-Linien ein 20-Minuten-Takt abgesichert werden. Weil die Strecken vieler Linien verkürzt werden, können Fahrgäste nur auf wenigen Abschnitten mit dichteren Taktfolgen durch parallel fahrende Linien rechnen, etwa auf der Stadtbahntrasse, Teilen des Rings sowie zwischen Anhalter Bahnhof und Gesundbrunnen. Nach Auskunft von S-Bahn-Sprecher Gisbert Gahler gilt diese Notfallvariante schon ab morgens 4 Uhr und auch bei einem Verbot des Streiks. Man könne nicht erst nach der Gerichtsentscheidung die Dienstpläne ändern, hieß es zur Begründung.

In Berlin will die BVG versuchen, mit längeren U-Bahn-Zügen auf den absehbaren Ansturm gestrandeter S-Bahn-Passagiere zu reagieren. Nach den Erfahrungen beim ersten Warnstreik sollen vor allen die Linien U 2 und U 5 durch zusätzliche Wagen verstärkt werden. Verspätungen dürften wegen des Gedränges aber unvermeidlich sein, hieß es.

Das Verständnis der Bundesbürger für den seit Monaten schwelenden Tarifstreit schwindet. Äußerten Anfang Juli noch 71 Prozent Verständnis für Warnstreiks, zu denen alle drei Bahngewerkschaften aufgerufen hatten, so sank diese Zahl vor dem nun geplanten Ausstand der GDL auf 57 Prozent. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten ARD- Deutschlandtrend von infratest-dimap im Auftrag der „Tagesthemen“ hervor. Dennoch gibt es weiter eine mehrheitliche Unterstützung für den Ausstand in allen Alters- und Berufsgruppen. 40 Prozent lehnen die Streikankündigungen ab. Im Juli lag diese Zahl bei nur 25 Prozent. Die Umfrage ergab zudem, dass eine Mehrheit der Deutschen weiter gegen eine Teilprivatisierung der Bahn ist. 60 Prozent sind nicht der Meinung, dass die Bahn wie die Post oder die Telekom ein Unternehmen werden sollte, dessen Aktien an der Börse gehandelt werden und an dem sich andere Unternehmen und Personen beteiligen können. Das sind vier Prozentpunkte mehr als noch Mitte September, wie der WDR aus der Befragung von 1000 Deutschen berichtete.

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