Politik : Bahntunnel in Berlins Mitte eingestürzt

Wassereinbruch verzögert Bau um viele Wochen / IG BAU gibt ausländischen Arbeitern Mitschuld / Senat empörtBERLIN (esch/kt/abro).Ein wichtiger Bauabschnitt auf Europas größter Baustelle am Potsdamer Platz in Berlin ist lahmgelegt.Einbrechendes Grundwasser in den Fernbahntunnel der Deutschen Bahn unter dem künftigen Regierungsviertel richtete Schaden in Millionenhöhe an und verzögert den Ausbau der Strecke um sechs bis acht Wochen.Mit Bestürzung reagierte der Senat auf die Erklärung der IG BAU, die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer sei mitverantwortlich für das Unglück.Umleitungen führten zu einem Verkehrschaos in der Mitte Berlins. Bundeskanzler Helmut Kohl hatte selbst den ersten Spatenstich für das Jahrhundertprojekt getan.Im Jahr 2002 sollen die Tunnel fertiggestellt sein sein.Dabei bleibt es auch, versicherte gestern eine Sprecherin der Bahn AG.Die Ingenieure und die Feuerwehr, die Wasser zur Stabilisierung in den sogenannten Senkkasten nachpumpte, bekamen die Lage noch gestern in den Griff.Anders als der Schürmann-Bau in Bonn verkantete sich der Kasten in Berlin nach Angaben der Bauleitung in seiner Baugrube nicht. Bei einem technischen Jahrhundertbauwerk wie diesem seien Havarien nie auszuschließen, sagte Senatspressesprecher Michael-Andreas Butz.Die IG BAU hat den Grundwassereinbruch als technischen GAU (größter anzunehmender Unglücksfall) bezeichnet.Dies sei auf Pfusch am Bau durch Einsatz von unqualifizierten "Billiglöhnern" aus dem Ausland zurückzuführen, sagte der Geschäftsführer der IG BAU in Berlin, Rainer Knerler.Der Berliner Niederlassungsleiter der Baufirma Hochtief wies dies entschieden zurück.Auf der Tunnelbaustelle arbeiteten nur ausgebildete Fachkräfte. Der Berliner Justizsprecher Rüdiger Reiff sagte am Donnerstag nachmittag, die Unternehmen seien offenbar sachgerecht vorgegangen.Er bezog sich auf Gespräche des zuständigen Staatsanwalts an der Unglücksstelle mit Polizei und Feuerwehr.Die Staatsanwaltschaft werde deshalb voraussichtlich kein Ermittlungsverfahren einleiten. "Mit Bestürzung" reagierte der Umzugsbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Wilhelm Schmidt, angesichts möglicher finanzieller Folgen.Dietmar Kansy (CDU), Vorsitzender der Baukommission des Bundestages, wies darauf hin, daß der Vorfall auf den geplanten Umzugstermin keinen Einfluß haben werde."Eine grüne Wiese vor dem Abgeordnetenhaus ist natürlich schöner als der Ausblick auf Baukräne", sagte Kansy dem Tagesspiegel.Doch in einer Zeit, in der die Politik den Bürgern Beweglichkeit und Flexibilität abverlange, müsse man in Bonn mit gutem Beispiel voran gehen."Jeder Tag, den wir eher in Berlin sind, zählt." LESEN SIE ZUM THEMA AUCH DEN

GroKo, Neuwahlen oder Minderheitsregierung? Erfahren Sie, wie es weitergeht - jetzt gratis Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben