Politik : Bald drei Milliarden Menschen ohne Wasser?

Bevölkerungsbericht: Zahl der Armen steigt drastisch / UN sehen auch im Westen zu wenig Unterstützung für Familienplanung

Stefan Jacobs

Berlin - Trotz Fortschritten bei der Familienplanung wird sich die Bevölkerung der 50 ärmsten Länder der Welt bis zum Jahr 2050 verdreifachen. 96 Prozent des weltweiten Bevölkerungswachstums konzentrierten sich auf Entwicklungsländer, heißt es im neuen Weltbevölkerungsbericht der UN, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Schon in 20 Jahren werden danach voraussichtlich drei Milliarden Menschen unter Wassermangel leiden. Insgesamt werde die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 von 6,4 Milliarden auf etwa 8,9 Milliarden Menschen wachsen. Eine Ursache sei ein Mangel an Verhütungsmitteln, der vor allem aus fehlender finanzieller Unterstützung des UN-Bevölkerungsfonds resultiere.

Der Bericht zieht eine Bilanz der Weltbevölkerungskonferenz von Kairo vor genau zehn Jahren. Die 179 Unterzeichnerstaaten hatten sich nicht nur vorgenommen, Bevölkerungswachstum und Ressourcen ins Gleichgewicht zu bringen, sondern auch den Status der Frauen zu verbessern und allen Menschen eine Familienplanung zu ermöglichen. „Der Plan von Kairo funktioniert, aber er erhält nicht die notwendige finanzielle Unterstützung“, sagte Renate Bähr von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung. Zwar bleibt auch Deutschland hinter seinen Zusagen zurück, aber der Vorwurf richtet sich vor allem an die USA als ursprünglich größtem Geberland: Unter Präsident George W. Bush seien die Gelder für den UN-Bevölkerungsfonds gesperrt worden. Als Folge hätten beispielsweise Programme zur Familienplanung in Kenia und Äthiopien eingestellt werden müssen.

Eine Koalition konservativer Staaten, darunter Iran, Libyen, Sudan, Syrien, Vatikan und die USA, lehnten insbesondere das Recht von Jugendlichen auf Aufklärung und Verhütung ab und propagierten stattdessen reine Enthaltsamkeit zu Geburtenkontrolle und Eindämmung der HIV-Infektionen. Die Seuche breite sich weiter aus: Zurzeit seien etwa 38 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, hinzu kämen jährlich fünf Millionen Neuinfektionen vor allem junger Frauen.

„Die Bilanz zehn Jahre nach Kairo ist gemischt“, resümierte Bettina Maas vom UN-Bevölkerungsfonds. So sei die Anwendung von Verhütungsmitteln von 55 auf 61 Prozent gestiegen, viele Länder hätten Rechtslage und medizinische Versorgung von Frauen verbessert. Jedoch stürben jährlich 529000 Frauen an Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt. 200 Millionen wollten verhüten, aber hätten keine Möglichkeit. Die Folgen: 23 Millionen ungewollte Kinder, 22 Millionen Abtreibungen und 1,4 Millionen gestorbene Kinder. 3,9 Milliarden US-Dollar würden gebraucht, um die Probleme zu lösen, sagte Bähr und fügte hinzu: „Das entspricht den weltweiten Ausgaben für Krieg und Rüstung an nur zwei Tagen.“

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