Bali : Klimawandel kostet bald 60 Milliarden Euro im Jahr

Erster Erfolg für die Klimakonferenz auf Bali: Die Unterhändler einigten sich auf den Aufbau eines globalen Fonds, um die vom Klimawandel besonders betroffenen Entwicklungsländer zu unterstützen. Gleichwohl warnt der UN-Experte Watkins vor einer neuen Apartheid.

Nusa DuaZum zehnten Jahrestag des UN-Klimaprotokolls von Kyoto ist auf der UN-Klimakonferenz in Bali ein erster Erfolg erzielt worden. Die Unterhändler verständigten sich auf den Aufbau eines globalen Fonds, um Entwicklungsländer bei der Bewältigung der Folgen der Erderwärmung zu unterstützen. EU-Umweltkommissar Stavros Dimas wertete dies am Konferenzort Nusa Dua als "Durchbruch". Der Leiter des UN-Klimasekretariats (UNFCCC), Yvo de Boer, widersprach Berichten, wonach Emissionsziele im Mandatsentwurf für ein neues Klimaabkommen nicht mehr genannt würden. Dimas sagte, die EU werde weiter für den Hinweis auf konkrete Zielvorgaben kämpfen.

Der Anpassungsfonds, den Entwicklungsländer nachdrücklich gefordert hatten, soll bis 2012 ein Volumen von bis zu 500 Millionen Dollar erreichen, etwa das Zehnfache der bislang bereitgestellten Summe. Die Verwaltung soll ein Rat mit 16 Mitgliedern übernehmen, der im Rahmen des Globalen Umweltfonds (GEF) eingerichtet wird. Dabei wird ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Industrie- und Entwicklungsländern angestrebt. Die Weltbank soll die Rolle eines Treuhänders übernehmen.

Finanzierung über Emissionshandel

Finanziert werden soll der Fonds durch eine zweiprozentige Abgabe auf Erlöse aus sogenannten CDM-Projekten im Rahmen des Emissionshandels. Das sind Maßnahmen, mit denen Verpflichtungen zur Minderung des CO2-Ausstoßes in Industriestaaten ersatzweise in Entwicklungs- oder Schwellenländern erbracht werden können. Um die Verwaltung des Fonds war lange gestritten worden. Vor allem Entwicklungsländer hatten sich einer Einbindung in GEF und Weltbank widersetzt, da sie eine Dominanz der Industriestaaten fürchteten. Für Entscheidungen sollen nun mindestens eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich sein. Die Kopplung an das CDM-System bedeutet auch, dass für die Arbeit des Fonds nach 2012 ein Folgeabkommen zum Kyoto-Protokoll Voraussetzung ist.

Die Folgen des Klimawandels kommen die Welt teuer zu stehen. Die reichen Länder müssten spätestens 2015 im Jahr 86 Milliarden Dollar (rund 60 Milliarden Euro) dafür aufbringen, sagte der Autor der "Studie über die menschliche Entwicklung" für die Vereinten Nationen, Kevin Watkins, bei der Weltklimakonferenz auf Bali.

"Schwimmen oder untergehen"

"Die Armen dieser Welt können nichts für die Erwärmung. Die Industrieländer haben die Krise heraufbeschworen, und sie müssen ihrer Verantwortung jetzt gerecht werden", sagte Watkins. Das schließe auch die Verantwortung für die Opfer des Klimawandels ein. Andernfalls werde eine neue Apartheid geschaffen. Während reiche Länder bereits massiv in Schutz- und Anpassungsmaßnahmen investierten, stünden die armen Länder mit ihren begrenzten Ressourcen vor der Wahl "zu schwimmen oder unterzugehen".

De Boer sagte zur Erwähnung einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes durch die Industriestaaten um 25 bis 40 Prozent bis 2020, dabei gehe es nicht um eine Zielvorgabe, sondern um einen Rahmen, um die angestrebten Ziele erreichen zu können. Der Hinweis darauf sei im Textentwurf enthalten, werde aber Gegenstand weiterer Verhandlungen auf Ministerebene sein. De Boer nannte die 25- bis 40-Prozent-Vorgabe ein "ehrgeiziges Ziel".

Kyoto-Nachfolgeakommen bis 2009

Dimas bekräftigte das Ziel der Europäer, bis 2050 eine Halbierung der Treibhausgasemissionen zu erreichen. Darüber hinaus seien aber auch konkrete kurzfristigere Schritte erforderlich. "Wir hören auf die Ergebnisse der Wissenschaft. Wir hoffen, dass alle anderen das auch tun", sagte der Umweltkommissar mit Blick auf Widerstand aus den USA, aber auch aus Kanada und Japan. Wichtiger als konkrete Emissionsdaten sei für das angestrebte Mandat für ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll aber eine Begrenzung der Verhandlungen darüber bis 2009. Zudem müsse dafür ein klarer Fahrplan festgelegt werden. Verpflichtende Emissionsziele seien dann Gegenstand der Verhandlungen selbst, für die auf Bali die Weichen gestellt werden sollen. (küs/AFP)

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