Balkan : Bosnien: Österreicher ist neuer internationaler Beauftragter

Valentin Inzko sieht etwas leidend aus. Der 59-jährige Klagenfurter, ein studierter Jurist, ist ab heute Hoher Repräsentant in Bosnien-Herzegowina und damit für die Politik des Vielvölkerstaates verantwortlich.

Ingo Hasewend

Ljubljana -  „Es ist eine schwere Last auf meinen Schultern“, sagt der Diplomat. Mit starrem Blick schaut der österreichische Botschafter in Slowenien aus dem Fenster seiner Residenz in der Hauptstadt Ljubljana – in Zukunft wird er auf seine neue Nachbarschaft in Sarajevo blicken.

Und in seine Wehmut mischt sich Skepsis. „Die meisten der bisherigen Bosnienbeauftragten waren hochrangige Regierungsmitglieder wie Carl Bildt, Christian Schwarz-Schilling oder Carlos Wespendorp“, sagt Inzko und ergänzt: „Die haben auch nicht alles lösen können.“ Allerdings habe er große Erfahrung in Bosnien. Inzko war der erste österreichische Botschafter in Sarajevo nach dem Bosnienkrieg 1992 bis 1995. Er kennt die Schwierigkeiten bei einem Streit mehrerer Volksgruppen in einem Land – auch aus seinem eigenen Lebenslauf. Denn Valentin Inzko ist zwar Österreicher, gehört aber der slowenischen Minderheit in Kärnten an. Er spricht sieben Sprachen, darunter Serbokroatisch, und versteht zwei weitere. Dass ihn die internationale Gemeinschaft für diese brisante Aufgabe auswählte, hat jedoch noch einen anderen Grund. „Ich kenne alle Akteure“, sagt er.

Inzko soll, wie schon seine sechs Vorgänger, den Friedensvertrag von Dayton umsetzen. Auch mehr als 13 Jahre nach Kriegsende gilt Bosnien-Herzegowina als Konfliktherd auf dem Balkan. Die notwendige Verfassungsreform kommt wegen Streitigkeiten der Volksgruppen nicht voran. Zwischen den beiden Landesteilen, der Bosniakisch-Kroatischen Föderation und der serbischen Republika Srpska, wachsen die Spannungen, dem Land droht erneut ein Zerfall.

„Ich setze große Hoffnung in die derzeit laufenden Gespräche der Volksgruppenführer“, sagt Inzko. Auch für mehr ausländische Investitionen will er sich einsetzen. „Mit einem leeren Magen kann man keine Demokratie aufbauen“, sagt er. Dass er gut verhandeln kann, hat Inzko vielfach bewiesen. Für seine Sicherheit sorgen in Sarajevo vier persönliche Bodyguards.

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