Politik : Balkan in Asien (Kommentar)

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Wer das Wort Freiheit im Munde führt, kann sich westlicher Sympathie sicher sein. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist, besonders uns Deutschen, ein heiliges Gut. Aber der Zusammenbruch von Staaten, auch solchen, die gewaltsam zusammengehalten werden, birgt Gefahren. Das haben Jugoslawien und die Sowjetunion demonstriert. Deshalb wecken die Demonstrationen in der indonesischen Republik Aceh nicht nur Mitgefühl, sondern auch die Sorge, der Staat könnte auseinanderreißen - und damit die Region in ein Chaos stürzen. Sollte die Abtrennung Ost-Timors nur der Anfang dieser Entwicklung gewesen sein? Schon hat der neue indonesische Präsident Wahid Gespräche mit den Rebellen angekündigt und seine Bereitschaft erklärt, ein Referendum nach dem Vorbild Ost-Timors abzuhalten. Doch der Fall Aceh liegt anders, und dessen Unabhängigkeit würde weit mehr auslösen als die Ost-Timors. Die Bewegung "Freies Aceh" besteht nicht nur aus Demokraten. Anders als das später annektierte Ost-Timor gehört Aceh seit der Staatsgründung zu Indonesien. Die Wirtschaftskraft der Provinz mit ihren Gas- und Erdölvorkommen ist eine Stütze für die Regierung. Da wird sich die Armee nicht so leicht zum Rückzug bewegen lassen. In Ost-Timor hat sich die internationale Gemeinschaft mit voreiligen Versprechungen schuldig gemacht. Bevor sie Gleiches wieder tut, sollte sie sich überlegen, was sie damit auslöst. Die nächsten Provinzen warten schon.

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