Politik : Balkan-Krise: Europarat warnt vor neuem Krieg

Der Europarat hat angesichts der jüngsten Schießereien in Mazedonien an der Grenze zum Kosovo vor einem neuen Balkankrieg gewarnt. "Der Ausbruch der Gewalt auf mazedonischem Gebiet ist extrem gefährlich", sagte der Präsident der parlamentarischen Versammlung des Europarates, Lord Russell-Johnston, in einer am Dienstag in Straßburg veröffentlichten Erklärung. Es sei der Besonnenheit der mazedonischen Regierung zu verdanken, dass die Lage bislang nicht eskaliert sei. Die internationale Staatengemeinschaft müsse alles Menschenmögliche unternehmen, "um den Ausbruch eines neuen blutigen Krieges auf dem Balkan zu verhindern", sagte Russell-Johnston.

Das französische Außenministerium in Paris forderte die Kfor-Friedenstruppe am Dienstag auf, die Aktivitäten albanischer Extremisten auf der Kosovo-Seite stärker zu kontrollieren. Es gehe vor allem darum, solche Kräfte am Grenzübertritt zu hindern, erklärte ein Sprecher des Ministeriums. Außenminister Hubert Vedrine hatte die Lage im Norden Mazedoniens am Montag als gefährlich eingestuft. EU und Nato arbeiteten daran, die Situation zu beruhigen.

Auch am Dienstag kam es wieder zu Gefechten in der Region um das Grenzdorf Tanusevci an der mazedonischen Grenze zur südserbischen Provinz Kosovo. "Albanische Extremisten" hätten die mazedonischen Truppen provoziert, hieß es aus dem Veteidigungsministerium. In der Nacht zum Dienstag war es nach Angaben der mazedonischen Regierung ebenfalls zu bewaffneten Zwischenfällen gekommen. Drei Mal habe es nahe Tanusevci Feuergefechte zwischen mazedonischen Sicherheitskräften und albanischen Rebellen gegeben. Die Albaner-Miliz UCK warnte die mazedonische Regierung indes vor einem Angriff auf Tanusevci, das seit drei Wochen von bewaffneten Albanern kontrolliert wird. In die Ortschaft sei ein zusätzliches Kontingent der Rebellen verlegt worden, erklärte die Rebellenführung.

Die Kfor nahm indes sechs mutmaßliche albanische Rebellen fest, die von Mazedonien aus in den Kosovo gelangen wollten. Die Kfor verdächtigt die am Montag festgenommenen Männer, albanische Untergrundkämpfer aus Mazedonien zu sein. Die Kfor habe die Situation im Grenzgebiet unter Kontrolle, hieß es. Die Truppen in der Region waren am Montag verstärkt worden.

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