Politik : Balkan-Krise: Scharping: Panzer nach Mazedonien

cl

Albanische Rebellen haben am Freitag in Mazedonien eine Kaserne mit Bundeswehrsoldaten beschossen. Der Angriff steht im Zusammenhang mit den seit Tagen verschärften Spannungen zwischen den Rebellen und mazedonischen Streitkräften im Grenzgebiet zum Kosovo. Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) kündigte die Verlegung von Leopard-Kampfpanzern in die Kaserne an: "Wir lassen uns von niemandem auf der Nase herumtanzen, auch nicht von albanischen Terroristen." Die deutschen Soldaten wurden nicht in Kampfhandlungen verwickelt; einer wurde in der Deckung durch Glassplitter verletzt.

Die Kaserne wurde offenbar mit Handfeuerwaffen beschossen. Mazedonische Soldaten, die die Einrichtung gemeinsam mit der Bundeswehr nutzen, sollen die Verteidigung der Anlage übernommen haben. Scharping ließ aus Sicherheitsgründen 100 bis 200 der 1000 dort stationierten Deutschen verlegen. Die Bundeswehr stellt in Tetovo ein Logistik- und Versorgungskontingent für die internationale Kfor-Friedenstruppe im nahe gelegenen Kosovo. Die Kaserne liegt etwa einen Kilometer vom Stadtzentrum Tetovos entfernt. In ihrer Nähe haben sich albanische UCK-Rebellen in einer früheren türkischen Trutzburg verschanzt.

Nahe der Stadt waren heftige Detonationen mitunter alle paar Sekunden zu hören. Der Polizeichef von Tetovo rief zu einer eiligen politischen Lösung auf. "Wenn es so weitergeht, werden wir hier ein zweites Sarajevo haben", sagte er. Die Rebellen seien sehr erfahren. "Wir sprechen hier über Spezialkräfte, die eine Guerilla-Erfahrung haben. Und es sieht so aus, dass sie bis zum Ende gehen wollen." Das Innenministerium verlegte weitere Truppen in das Krisengebiet. Etwa 2000 Menschen, sowohl Mazedonier als auch Albaner, flohen. Albanischstämmige Frauen und Kinder versuchen, über Bulgarien in die Türkei weiterzureisen.

Bundesaußenminister Joschka Fischer äußerte sich besorgt. Bei einem Kurzbesuch in der mazedonischen Hauptstadt Skopje rief er alle beteiligten Seiten zum Gewaltverzicht auf. Die Zukunft Mazedoniens liege in seiner Demokratisierung, sagte Fischer nach einer Unterredung mit seinem mazedonischen Kollegen Srdjan Kerim. Der UN-Verwalter für das Kosovo, Hans Haekkerup, forderte vor dem UN-Sicherheitsrat in New York die Isolierung der albanischen Rebellen.

Nato-Generalsekretär George Robertson bezeichnete die Lage als ernst und gefährlich. Mit einem Nato-Einsatz in Mazedonien rechnet er vorerst nicht: "Wir haben kein Mandat dafür. Außerdem hat die mazedonische Regierung dies nicht beantragt". Die Nato werde die territoriale Integrität Mazedoniens aber garantieren.

In Berlin bot die Bundesregierung ihre Unterstützung für die Stabilisierung in Mazedonien an. Regierungssprecher Heye wies Spekulationen zurück, dass Mazedonien von Deutschland Waffen angefordert habe. Der Führer der Kosovo-Albaner, Ibrahim Rugova, forderte Skopje auf, "die Forderungen der Albaner zu hören, sonst bekommen die Radikalen Oberwasser", sagte er in Berlin.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben