Politik : Balkan-Krise: Tausende Mazedonier auf der Flucht

Mehrere tausend Mazedonier sind vor der Kriegsgefahr in ihrem Land in die Türkei geflohen. Seit dem 10. März seien am türkisch-bulgarischen Grenzübergang Kapikule im europäischen Teil der Türkei 5684 Flüchtlinge aus Mazedonien angekommen, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch. Die Menschen aus Skopje, Tetovo und anderen mazedonischen Städten gehören laut Anadolu der türkischen Minderheit in Mazedonien an. Am Mittwochmorgen wurden viele Mazedonier, die per Bus in der Türkei ankamen, von türkischen Verwandten am Grenzübergang begrüßt. Zuletzt hatte die Türkei im Kosovo-Konflikt 1998 viele tausend Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien aufgenommen.

Die Europäische Union hat den mazedonischen Präsidenten Boris Trajkovski zu ihrem bevorstehenden Sondergipfel in Stockholm eingeladen. Das bestätigte der schwedische Ministerpräsident und amtierende EU-Ratspräsident Göran Persson am Mittwoch. Bei einer Sitzung des EU-Ausschusses im Stockholmer Reichstag erklärte Persson, Trajkovksi werde am Freitag als Gast an einigen Begegnungen der Konferenz teilnehmen.

Nach dem Ultimatum der mazedonischen Armee an die albanischen Rebellen beruhigte sich die Lage in der Stadt Tetovo bis zum Mittwochmorgen unterdessen wieder. Die Armee hatte die Freischärler am Dienstagabend aufgefordert, ihre Kämpfe bis Mittwoch um Mitternacht zu beenden. Ein Rebellenführer sagte am Mittwoch jedoch, die Aufständischen hätten nicht die Absicht aufzugeben. Die US-Regierung kündigte an, keine zusätzlichen Friedenstruppen nach Mazedonien zu schicken.

Der stellvertretende russische Außenminister Sergej Ordzhonikidze warf der Nato vor, mit der Intervention im Kosovo 1999 kein einziges humanitäres Problem gelöst zu haben. Vielmehr habe sie die albanischen Extremisten in ihrer Überzeugung gestärkt, dass sie ihre "selbstsüchtigen" Ziele mit Hilfe von Waffen und terroristischen Aktionen erreichen könnten, sagte er am Mittwoch vor der UN-Menschenrechtskommission in Genf. Die Situation auf dem Balkan zeige, dass bewaffnete "humanitäre Interventionen" ohne Unterstützung des Weltsicherheitsrates nicht dem Schutz der Menschenrechte dienten.

Der mazedonische Albaner-Führer Arben Xhaferi rief zu schnellen Verhandlungen auf. "Es ist besser, zehn Jahre zu sprechen als eine Woche zu kämpfen", sagte Xhaferi, Vorsitzender der mitregierenden Demokratischen Albaner-Partei (DPA). Bei einer Offensive der mazedonischen Truppen bleibe der DPA kaum eine andere Wahl, als aus der Regierung auszuscheiden.

Der UN-Sicherheitsrat hat am Dienstag einen von Frankreich eingebrachten Resolutionsentwurf über die Lage in Mazedonien erörtert. Darin wird die extremistische Gewalt in Mazedonien und Südserbien verurteilt. Die Untergrundkämpfer werden aufgefordert, ihre Waffen niederzulegen. Russland forderte zudem eine Verurteilung "terroristischer Aktivitäten" und die Feststellung, dass die Gewalt von "bewaffneten Gruppen ethnischer Albaner" ausgehe.

Mazedonien kauft im Ausland militärische Ausrüstung für den Kampf gegen die albanischen Rebellen in der Umgebung von Tetovo. Wie am Mittwoch aus Militärquellen verlautete, sind bereits vier Transporthubschrauber Mi-8 aus der Ukraine in Skopje eingetroffen. Einige Kampfhubschrauber vom Typ Mi-28 werden bis zu diesem Donnerstag erwartet. Darüber hinaus sollten vier Hubschrauber aus dem Nachbartstaat Griechenland eintreffen. Die Anschaffung dieses Fluggeräts sei noch vor Ausbruch des Konfliktes im Nordwesten des Landes vereinbart worden, hieß es. Mazedonien hat zudem mit der Ausbildung neuer Hubschrauber-Besatzungen begonnen.

Bundeswehrsoldat erschoss sich

Berlin (dpa). Ein 19 Jahre alter Bundeswehrsoldat hat in der Militärbasis in Filipovici im Osten von Bosnien-Herzegowina Selbstmord begangen. Der junge Mann hat sich offenbar mit seiner Dienstwaffe erschossen. Durch Freitod seien bisher fünf auf dem Balkan stationierte Bundeswehrsoldaten aus dem Leben geschieden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums am Mittwoch in Berlin. Der Bundeswehr-Soldat, ein Angehöriger der SFOR-Friedenstruppe, stand vor einem 14-tägigen Heimaturlaub. Der Grund für den Freitod sei unbekannt. Eine Untersuchung wurde eingeleitet. Zur Identität des aus Norddeutschland stammenden Mannes wurden zunächst keine näheren Angaben gemacht.

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