Balkan-Politik : Iwanow lehnt unabhängiges Kosovo ab

Vor einem Treffen mit der Nato hat der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow dem Wunsch nach einer weitreichenden Unabhängigkeit für das Kosovo eine klare Absage erteilt.

Sevilla - Falls das Kosovo eine weitreichende Autonomie von Serbien erhalte, drohe eine "Kettenreaktion", warnte Iwanow bei einem gemeinsamen Pressetermin mit Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) im südspanischen Sevilla. Dann würden auch andere Regionen im Bereich der ehemaligen Sowjetunion oder in Europa das gleiche fordern. "Wir müssen schauen, dass wir nicht die Büchse der Pandora öffnen," betonte Iwanow. Im Vordergrund müsse das Prinzip der "territorialen Integrität" Serbiens stehen.

Jung drängte dagegen auf eine schnelle Einigung auf den künftigen Status des Kosovo. "Es ist nicht klug, wenn wir jetzt über Verzögerungen reden", betonte er. Die internationale Gemeinschaft müsse sich bemühen, dass Serben wie Kosovo-Albaner die Vorschläge des UN-Sondergesandten Martti Ahtisaari annähmen. Ahtisaari hatte Anfang des Monats eine weitreichende Unabhängigkeit für das Kosovo vorgeschlagen. Hauptziel müsse eine "stabile friedliche Entwicklung im Kosovo" sein, sagte Jung.

Die Nato-Verteidigungsminister wollen am Freitagvormittag mit Iwanow unter anderem über die Lage im Kosovo beraten. Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hatte am Vortag eindringlich für eine "sofortige Umsetzung" von Ahtisaaris Plänen geworben. Die Kfor-Schutztruppe soll nach seinen Worten vorerst die volle Truppenstärke behalten. Die Kfor umfasst rund 17.000 Soldaten. Deutschland stellt rund 2700 davon. (tso/AFP)

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